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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 266

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Vernunft und Offenbarung
Date
1925-08-01
Page
266 (sequence 14)
Language
German
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M. Wiener nicht eure Wege. Aber schließlich haben wir doch nur unsre Gedanken und unsre Wege; und wir müssen denken und gehen, müssen das Unnennbare nennen, nach dem Umfaßbaren langen. So werden die höchsten Werte, welche die Vernunft setzt, zum Ausdruck des Göttlichen, zu echten Sinnbildern seines Wesens. Und das menschliche Leben, auf welches Gottes Augen mit Wohlgefallen blicken, ist das Symbol des göttlichen Seins. Aber gemeint ist das als Ausdruck letzter Wirklichkeit, mit Piaton zu reden, des absolut seienden Seins. Jeder Subjektivismus, alle Relativität sind hinfällig geworden, die Wahrheit selber hat ihr Antlitz enthüllt Die Vernunft als solche, der Inbegriff natürlicher Orientierungsmöglichkeiten, kann sich nie aus dem Gewirr relativer Standpunkte und Bezugsorte befreien. Der Gedanke eines objektiven und absolut letzten Wertes ist für sie unvollziehbar. Nur das unmittelbare Ergriffensein vom Höchsten, nur das Erleben, das Empfangen des Unbeweisbaren, aber auch keines Beweises bedürfenden, ja ihn nicht vertragenden tiefsten Wertseins, gibt das echte Fundament Vollkommenheit als Wesensbestimmung der wirklichen Wirklichkeit das ist Gott, die Ahnung, das Wissen von ihm Offenbarung. Es ist Offenbarung und nur sie schon aus dem Grunde, weil die natürliche Geisteskraft ihrer Tragweite und Leistungsfähigkeit nach gar nicht auf das abgestellt und eingerichtet ist, was die Religion ihrem eigentlichen Inhalt gemäß besagt, das unmittelbare Berührt- und Erfülltwerden mit dem Kern alles Seins, in welchem höchster Wert und Wirklichkeit zu unauflösbarer Einheit verschmolzen sind. Deutlich spiegelt diesen Sachverhalt die Sprache des Monotheismus wider: Daß Gott Einer ist, Leben, Persönlichkeit, der Weltschöpfer, der Gesetzgeber, der Wahrer der sittlichen Ordnung — alle diese Bilder haben durch die spekulativen Möglichkeiten, die in ihnen angelegt sind, der religiöse Metaphysik reichlich Nahrung gegeben. Und durch die Eintragung in die „Schrift", die heilig gesprochen und deren Erklärungen und Superkommentare wieder kanonisiert wurden, ist das Betätigungsfeld für die nach dem jeweiligen Vorbild der wissenschaftlichen Methode verfahrenden Theologie nach allen Seiten erweitert worden. Der grundsätzliche Fehler dieser Art Wissenschaft liegt auf der Hand. Sie objektiviert das, was nur andeutendes Symbol ist, nimmt Bilder, die nur die Bedeutung von Wegsignalen haben, für adäquate Entsprechungen einer Wirklichkeit, indem sie oft genug jede Zufälligkeit der Zeichnung, jede Tönung der Farbe als die korrekte Wiedergabe des Gehalts analysiert und anerkannt Aber durch alles Dickicht der begrifflichen Phan- 266

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