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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 253

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Vernunft und Offenbarung
Date
1925-08-01
Page
253 (sequence 1)
Language
German
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Vernunft und Offenbarung Von M. Wiener Es ist eine seit etwa einem halben Menschenalter oft wiederholte Behauptung, daß die west- und mitteleuropäische Menschheit, die seit dem Abblühen der Romantik sich in der ihrem Enthusiasmus für das Technische anscheinend so kongenialen Weltanschauung des Materialismus wohlgefühlt hatte, zu der Religion wieder ein positives Verhältnis sucht Diese Meinung stützt sich vor allem darauf, daß unsere Eindrucksfähigkeit gegenüber den sogenannten Wundern der Technik sich offenkundig abzustumpfen beginnt Was aber selbstverständlich wird, das kann nicht mehr jenes Spannungs^ bedürfnis befriedigen, das dem modernen in einem gewissen nervösen Zustande lebenden Geist eigen ist Wir haben es also sicherlich heute mit einer neuen Geisteslage zu tun, mit einer, die nicht auf die Selbstsicherheit abgestimmt ist, daß wir es doch herrlich weit gebracht haben. Hat aber der Idealismus* der in mannigfachen Gestaltungen und Schattierungen um unsre Seele wirbt, jene nahe und natürliche Beziehung zu echter Religion, oder stellt er nicht eher, gewisse Gemütsbedürfnisse zweifellos besser stillend als der Materialismus, von der religiösen Seite her gesehen, ein Surrogat dar, das dem wahren Sinn der Gläubigkeit fern bleibt? Um die Tragweite dieser Frage zu verstehen, muß man sich darüber klar sein, was mit ihrem Subjekt, was mit diesem Erfülltsein von der Waltung Gottes eigentlich gemeint ist, und in welcher Beziehung, in welchem Gegensatz ein solcher seelischer Gehalt zu dem uns selbstverständlichen Weltgefühl eigentlich steht In der Sache der Religion ist Gott die elementarste Voraussetzung; von Belang ist nur, wie der Mensch um ihn weiß. Und da gibt es sichtlich nur die beiden Möglichkeiten: Er ist entweder unmittelbar von 253

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