Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 245 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895454-2895912--00286-2896054- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Besprechungen — Anzeigen hafte Notwendigkeit ihn dazu zwingt. Die Naturgewalten des geschichtlichen Lehens sorgen schon genügend dafür, daß der Friede auf Erden sobald nicht kommen wird, und es liegt keine Veranlassung vor, sie noch durch eine Doktrin, die Machtkampf und Krieg verherrlicht, zu verstärken und dadurch die Staatsmänner erst recht in den Machiavellismus hineinzutreiben." Das Buch wird für die Forschung der nächsten Jahre bahnbrechend sein. Im Rahmen dieser Skizze konnten wir allerdings nur einige Leitideen aus der Fülle der Gedanken und der überquellenden Flut historischer Erscheinungsformen herausheben. Wir möchten aber das Studium dieses tiefgründigen und anregenden Werkes allen denen empfehlen, die Beruf und Neigung dazu treiben, sich mit der alten und in jedem Zeitalter immer wieder neu zu beantwortenden Frage zu beschäftigen: Wie kann der Staat ohne Schädigung seiner Lebensinteressen sittlich handeln? S. Jacob (Darmstadt) Lorenz Dürr, Dr. theol. et phil., Privatdozent der Theologie an der Universität Bonn, Ursprung und Ausbauder israelitisch-jüdischen Heilandserwartung, Berlin, C A. Schwetschke & Sohn, 1925, 8° XVI, 160 S. 6 Mk. Dieses Buch hat se'inen Wert vor allem in dem reichhaltigen ägyptischen und assyrischbabylonisch-sumerischen Vergleichsmaterial, das es zum Verständnis der israelitisch-jüdischen Eschatologie heranzieht und im Wortlaut darbietet. Vom Neuen Testament her empfindet man heutzutage immer deutlicher die Nötigung, sich um die Eschatologie der Perser zu kümmern. Wie weit diese zurückreicht, .wie weit hier in der Dramatik des persischen Dualismus von vornherein im Gottesglauben die Eschatologie, ja die Erlösererwartung im Zusammenhang einer weltgeschichtlichen Betrachtung angelegt war, bleibt zu untersuchen, ebenso inwiefern auf die alttestamentliche Gesetzgebung und Eschatologie uralte persische Gedanken eingewirkt haben. Alle diese Probleme berücksichtigt Dürr nicht, obwohl grade Persien ein Land uralter Eschatologie gewesen ist. So sehr Dürr zugibt und nachweist, daß altorientalisch-ägyplisch-sumerischassyrisch-babylonische Stilformen, Ideale, Hoffnungen große Ähnlichkeit mit den alttestarnen tlichen messianischen Erwartungen haben, so betont er andererseits die Eigenart der alttestamentlichen Hoffnung und ihren originalen Ursprung in dem israelitisch-jüdischen Gottesglauben. Man kann kurz sagen: Ihvhs Korrelat ist die Eschatologie. Darin bringt Dürr m.E. etwas Richtiges zur Geltung. Er betont auch mit Recht, daß weder in Ägypten noch im Zweistromlande eine eigentliche Eschatologie und Heilandserwartung zu Hause war. Aber umso dringlicher erhebt sich die Forderung, die altpersische Eschatologie heranzuziehen, zumal zweifellos mindestens Deuterojesaia persische Luft geatmet hat. Das einzige Land des Altertums, wo neben Israel von wirklicher die Geschichte umspannender Eschatologie die Rede ist, hätte Dürr nicht übersehen dürfen, mag auch die Wissenschaft gerade auf diesem Gebiet noch großen Schwierigkeiten gegenüberstehen. Paul Fiebig. Anzeigen. E. von Aster, Goethes Faust. Rösl & Co. München, Philosophische Reihe, Band 75.) 160 Seiten. Professor von Aster bietet in dieser Schrift keine Philosophie über den Faust; er will das Werk als Ausdruck der Goethe'schen Lebensphilosophie dem Leser nahe bringen. Und das ist ihm meisterhaft gelungen. Die Dichtung glänzt in neuem Lichte auf; der Begriff erhellt, aber er tötet nicht. Der philosophische Gedankengang bewahrt seinen fesselnden Eigenwert, ohne von der Dichtung ins Abstrakt-Lehrhafte zu führen. Es ist immer Goethe selbst, der zu uns spricht, aber durch das Medium eines das Wesenhafte zusammenschauenden Geistes, der in der Dichtung selbst sein Menschentum, bejahend und verklärend, erlebt. Die Kapitel über Homunkulus und über Helena und Euphorion überraschen durch neue und geistvolle Interpretationen. Die ins Transzendente weisende Schlußszene des „Faust" wird — entgegen der üblichen Bewertung menschlichen Arbeitsstolzes — aus dem Schicksal des Menschen heraus positiv gewertel. — Die Sprache ist in ihrer edlen Schlichtheit dem großen Gegenstande angemessen. G. 245