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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 234

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Die Bedeutung der kommenden Volkszählung für das deutsche Judentum
Date
1925-06-01
Page
234 (sequence 2)
Language
German
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J. Rothhok Dazwischen fanden auch Personalstandsaufnahmen statt, die keineswegs die Resultate einer richtigen Volkszählung ersetzen konnten. Da die Zahlen der letzten allgemeinen Zählungen vollkommen veraltet sind, werden die Ergebnisse der neuen Zählung mit Spannung erwartet Diese soll an Umfang und Mannigfaltigkeit alle Erhebungen übertreffen, die bisher im Deutschen Reich vorgenommen sind. Sie hat, wie das Ministerium des Innern in einem Erlasse betont, für den Staat und die Kommunalverbände, insbesondere die Gemeinden, die größte Bedeutung und wird voraussichtlich für gesetzliche und Verwaltungsmaßnahmen in viel höherem Grade als Unterlage dienen, denn irgend eine frühere Zeit Aber die deutschen Juden bringen der Zählung ein um so größeres Interesse entgegen, nicht nur weil durch sie Angriffe, die auf ihre Gesamtheit von den verschiedensten Seiten ausgingen, entkräftet werden, sondern weil sie auch hoffen können, über die Struktur ihrer Gemeinschaft endlich ein klares Bild zu erhalten — sowohl über die Konzentration der Judenschaft in den Großstädten als auch über ihre Berufsschichtung u. dergL Als der Gesetzentwurf zu der Volkszählung sich noch in den Anfangsstadien befand, wurde von rechtsradikaler Seite behauptet, die deutschen Juden setzten alle Hebel in Bewegung, um aus selbstischen, unreinen Motiven die Frage nach der Konfession aus dem Zählbogen auszuschalten. Aber wie in vielen andern Fällen, hat man auch in dieser Frage etwas läuten hören, ohne die Zusammenhänge genau zu kennen. Tatsächlich ist die öffentliche Meinung bezüglich der Zulässigkeit dieser Frage geteilt Sie wird z. B. in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten, ebenso in Belgien, Italien und in Frankreich als indiskret betrachtet Und zur Zeit der ersten Blütenträume nach der Revolution, als das Schlagwort „Religion ist Privatsache" weite Kreise des deutschen Volkes beherrschte, wurde selbst in Fachkreisen lebhaft erörtert, ob in Deutschland die Frage nach der Konfession zu den althergebrachten persönlichen „Generalien", deren Feststellung bisher als selbstverständlich angesehen wurde, bei einer neuen Zählung bestehen bleiben sollte. Die alte Ansicht hat gesiegt und die Frage nach der Konfession ist in dem Zählblatt für die neue Zählung nicht verschwunden und unserer Ansicht nach mit vollem Recht, wobei wir uns auf die Ausführungen G. v. Mayers, dieses Altmeisters deutscher Statistik, in seiner Gesellschaftslehre stützen. Die Differenzierung der Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis bietet ein erhebliches sozialwissenschaftliches Interesse. Aus der Religionsgemeinschaft erwachsen besondere mit mehr oder minder fester Organisation ausgebildete soziale Gebilde, deren 234

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