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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 232

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Das "Judaistische Institut" in Jerusalem
Date
1925-06-01
Page
232 (sequence 7)
Language
German
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I. Elbogen: Das „Judaistische Institut" in Jerusalem. gönnt werden? Man tausche sich nicht, die Bedeutung der neuen Universität kann nicht darauf gegründet werden, daß hier ein neues chemisches Laboratorium oder eine Klinik mehr in der Welt entsteht, auch nicht darauf, daß jüdischen Forschern und Studierenden das Arbeiten ohne die Hinderung steter politischer und sozialer Zurücksetzung ermöglicht wird- Weltgeltung wird die Universität in Jerusalem sich nur dadurch erringen, daß sie das wissenschaftliche Problem des Judentums in seiner ganzen Tiefe erfaßt und auf der breiten Grundlage universeller Wissenschaft erforscht, daß sie jüdisch-kulturelles Leben anregt und die schlummernden Keime der jüdischen Seele zu neuem Leben erweckt! Wir sind optimistisch genug zu glauben, daß noch nicht alles verloren ist Noch befindet sich das letzten Chanukka, Mitte Dezember 1924 eröffnete judaislische Institut in den allerersten bescheidenen Anfängen- Noch hat es keinen feslumrissenen Plan, die wissenschaftliche Arbeit wird von wenigen besuchenden Dozenten geleitet. Wir brauchen noch nicht daran zu verzweifeln, daß die schlechte Erkenntnis des vergangenen Jahres einer besseren weichen, daß nicht der Plan des bestehenden judaistischen Instituts en\ eitert und dieses sich zu einer geisteswissenschaftlichen Fakultät entwickeh wird. Wir hegen die Hoffnung, daß wir dereinst mit dem Psalmisten dankbar ausrufen dürfen: „Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden!" Berlin, 10. März 192a Vorstehender Aufsatz ist Anfang März geschrieben worden. Inzwischen habei) während der ersten Apriltage unter Teilnahme der gesamten Kulturwelt die erhebenden Feierlichkeiten zur Eröffnung der Universität stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit wurde ein Werbeheft veröffentlicht, das einen aus dem Jahre 1921 stammenden Plan für die judaistischen Studien enthält. Darin ist zwar die biblische Literatur noch erwähnt, aber für das Studium der Religionsgeschichte die Zeit von den Makkabäern bis zu den Geonini empfohlen — als hätte es vorher und nachher keine jüdische Religionsgeschichte gegeben!!! Soweit also reicht die verkehrte Einstellung bereits zurück! Andererseits wird in den offiziellen Verlautbarungen die Scheidung zwischen der Hebräischen Universität und dem Judaistischen Institut nicht streng durchgeführt. Das weist darauf hin, daß noch nicht alle Hoffnungen auf eine bessere Einsicht aufgegeben zu werden brauchen. 232

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