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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 191

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Das Opfer Manoahs
Date
1925-06-01
Page
191 (sequence 7)
Language
German
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Das Opfer Manoahs in einem Reich, wo Alles zwischen chaotischem Gemenge und schöpferischer Verbundenheit der Instinkte braut, nicht Eines anrühren, ohne das Andere zu treffen. Es ist unmöglich, in der Betrachtung getrennte Ordnungen durchzuführen. So werden wir unsere eigene Aufmerksamkeit der Symbiosis anpassen müssen, die in diesem Bilde sich in sich selbst schließt — und fahren fort: Das brennende Opfertier, abgehäutetes Zicklein auf dem flammenden Holz, ist kaum ersichtlich; aber um so furchtbarer ist dies rötliche Etwas, als es mit Rumpf und Kopf und Beinen als Opfertier nur eben ungefähr erkannt werden kann. Das Brandopfer auf dem Stein ist leicht gemalt — mit enthaltsamer Malmaterie. Aber es ist doch in jedem Sinn das Werk des exzessiven Rembrandt: im gegenständlichen Sinne (der übrigens schon an den geschlachteten Ochsen des Louvre denken macht) und im malerischen, der die ganze Offenheit und Lockerheit, die tiefe Improvisation des späten Rembrandt ahnen läßt. Mit Rauch und Flamme wird das Feuer um diese beängstigende und bewunderungswürdige Darbringung, die im künstlerischen Sinne eine höchste Mystifikation ist, gleichsam der Geist eines Feuers, Revenant; wie auch der entweichende Engel mehr Geist als Engel ist Hier, zur Linken, ist die mystische Hälfte des Bildes. Das Feuer hat fast keine Existenz; es ist der Traum voti! einem Feuer — der etwas arge Traum. Vom Engel hat Jakob Burckhardt ausgesagt, er sei „ein wahrer fliegender Holländer"; der gescheite Widersacher Rembrandts meinte, damit ein gar nicht geisterhaftes Wesen des Engels anzuklagen und zu verwerfen. Aber gerade so, wie er ist, in seinem eigentümlichen Kontrast zwischen dem Beschwerten, auf Traumes Weise im Flug Gehemmten, meinethalben Bleiigen und dem Chimärisch-Vagen, ist er auf die rätselhafteste Weise geisterhaft Und redet nicht die Schrift anstatt vom Engel auch vom ,,M*nn Gottes" mit „wundersamem Namen"? Dies ist er . . . Die Konkretion, der rechten Bildseite vorbehalten, geschieht am genauesten zwar, doch nicht am wirksamsten in dem Antlitz des Manoah, das naturalistisch überzeichnet und in diesem Zustand, trotz eines schön gespannten Ausdrucks, ein wenig fatal ist wie so viele Greisenköpfe des Rembrandt Schöner und auf reinere Weise wirksam geschieht die Konkretion in der Gestalt der knienden Frau. Wenn die übermodellierte, fast banale Wirklichkeit des Mannes der Einheit des Malerischen schon entwunden ist und gleichsam für sich selbst existiert; wenn seine Plastizität schon an den stumpferen Bezirk der Natur selbst grenzt; wenn sie also eher zu viel als zu wenig tut, um die Abstraktion der 19t

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