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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 162

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Der Antisemitismus im Lichte der Soziologie
Date
1925-06-01
Page
162 (sequence 15)
Language
German
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Franz Oppenheimer Zeit, sind die von ihm gebildeten Gruppen die pulverisiertesten von allen; sie sind kaum noch als „natürliche", sondern fast nur noch als „statistische" Gruppen zu betrachten. Und darum muß sich an ihnen, auch das ist eine soziologische Notwendigkeit, die Folge der Atomisierung in allen kulturellen Dingen mit äußerster Klarheit herausbilden. Ein großer Teil der Juden, namentlich die durch den Krieg im Tiefsten erschütterte und an der heutigen „Ordnung" völlig irre gewordene Jugend versucht den Rückweg zu besseren Gestaltungen zu finden. Das kann dem Einzelnen bei gutem festen Willen immer glücken: wie weit es der Gesamtheit glücken kann, hängt aber nicht von ihr ab, sondern von der Entwicklung der sozialen Verhältnisse in Europa überhaupt Wenn die ganzen Völker am Gift des Kapitalismus dahinsiechen, kann sich eine einzelne Gruppe, ein Organ des großen Körpers, dem Siechtum unmöglich entziehen. Es waren ernste Worte, die wir an die eigenen Gruppengenossen zu richten hatten, wir fordern das Recht für uns, uns mit ebenso ernsten Worten an die größer» Gruppe zu wenden, der wir angehören, an das deutsche Volk. Wir sind der Anschauung, daß der Antisemitismus als Massenbewegung eines der schwersten Krankheitssymptome dieser Zeit ist, ja mehr, daß er eine, vielleicht die Einfallspforte gewesen ist, durch die die tödlichsten Krankheitserreger in den noch vor einem halben Jahrhundert kerngesunden Körper des deutschen Volkes emdringen konnten. Das möchten wir noch an den zwei wichtigsten Erscheinungen der allerletzten Zeit darzustellen versuchen. Daß wir den gewaltigen Krieg so furchtbar verloren haben, vielleicht daß wir ihn überhaupt verloren haben, ist die Schuld der Etappe. Der böse Geist aber der Überhebung, der hier waltete, ist sicherlich im deutschen Heer zuerst gezüchtet worden im Verhältnis des Unteroffizierkorps und der Militärbeamten zu den jüdischen Wehrmännern, namentlich zu den Einjährig-Freiwilligen. Hier zuerst hat der einst so pflichttreue preußische Beamte gelernt, daß Gesetze nicht unbedingt gelten, daß ihre Übertretung nicht nur straflos, sondern unter Umstanden sogar preiswürdig ist Denn das ist der Fluch der bösen Tat, daß arger Aktion eine noch bösere Reaktion entsprechen muß. Und nun die Nachkriegszeit! Nur der Antisemitismus, von den eigentlichen Urhebern und Verlierern des Krieges mit geradezu teuflischer Verschlagenheit immer tiefer in die Volksseele eingebrannt, hindert unser Volk, die t60

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