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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 147

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Was trennt und was eint die Konfessionen?
Date
1925-06-01
Page
147 (sequence 11)
Language
German
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Was trennt und was eint die Konfessionen? sollen Andersgläubige! Entschiedenheit und Duldsamkeit sind keine Gegensätze, sondern man darf sagen: je ernster eine Konfession ihre Eigenart herausstellt, je mehr es Ihr gelingt, der schweren Verantwortung, die sie schon allein durch ihr Sonderdasein auf sich liegen hat, praktisch zu genügen, desto mehr wird sie Unduldsamkeit und Streit vermeiden können. Sie wird gerade durch vertiefte Selbstdarstellung dienen, nämlich derjenigen Einheit, die auf der Achtung des Menschen vor dem Menschen beruht Was eint und was trennt, läßt sich also nicht quantitativ ausrechnen und nebeneinanderstellen. Die Spannung, die durch konfessionelle Unterschiede in ein Volk hineingetragen ist, wird nur dadurch behoben, daß jede Gruppe sich selbst so ernst wie nur möglich nimmt Man sollte einer jeden (wie auch jedem Einzelnen) nur immer wieder zurufen können: „Werde, der du bist, oder zu sein wünschest! Dann wirst du andere für dich gewinnen, ohne den öffentlichen Frieden zu stören". Nicht durch Verflachung, sondern durch eine letztmögliche Vertiefung der individuellen Eigenart wird das Schädliche und Gefährliche, das gerade in unserem Vaterlande leicht an jeglicher Eigenart haftet, zwischen den Konfessionen vernichtet 147

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