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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 126

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
[Rezension]
Date
1925-04-01
Page
126 (sequence 2)
Language
German
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Besprechungen merkungen Rechenschaft über sein Tun. Diese Anmerkungen erschließen, was an der einzelnen Dichtung über den Augenblick des ersten Lesens kostbar ist; dieses Nachwort, zwischen Texten und Anmerkungen in der Milte, ist eine erlebte Poetik. Wer immer an der Sprache arbeitet und dieses Nachwort liest, wird dankbar sein. Jehuda Halevis Sprache fließt reich dahin, gesättigt von der Fülle und Besonderheit eines jüdischen Bewußtseins, das zuweilen unter dem Druck seines inneren Besitzes Fermate wird, zuweilen von dem unfaßbaren Duft zerriebener Kräuter ist. Welche Lyrik I Wäre nicht Lyrik die Krone aller Sprache, wie wäre es möglich, auch die zarten Pausen, die kindhaften Wendungen mancher dieser Gedichte so stark als Weisheit und als Tat in einem zu empfinden? Im einen Gedicht ist der Reim das funkelnde Flechtband, im anderen, so in dem bewundernswerten letzten, gleichsam eine Klangpauke von reich schattierender Monotonie. Aus dem Zusammenstoß der hebräischen Sprache mit der deutschen sind Gebilde von einer neuen, seltsamen, durchaus eigenen Schönheit entstanden. Dabei ist das Deutsch dieses Buches nicht archaisch, es ist ganz lebendig auf der Höhe seines heutigen Standes, vielleicht wäre es ohne Stefan George nicht denkbar. Wie die hebräische Sprache in der Hand des Dichters, so hat die deutsche in der Hand des Übersetzers einer inbrünstig herben Melodie, einem Rhythmus innerster Bewegtheit nachgegeben und verschmilzt sich doch mit ihr. Dichter und Obersetzer nehmen vom selben Golde und läutern es in derselben Glut. Aus der geahnten Seele hebräischer Schriftzeilen ist dem Leser ein Stück Erfüllung seiner eigenen Sprache geworden, ein neuer schöner Gipfel im Sprachgebirg erstanden. Alfons Paquet. Versuche zu einer Soziologie des Wi s s e n s. Herausgegeben im Auftrage des Forschungsinstitutes für Sozialwissenschaften von Max Scheie r. Mit Beiträgen von J. Hashagen, P. Honigsheim, W. Jerusalem, P. L. Landsberg, P. Luchtenberg, K. Mittenzwey, H. Plessner, M. Scheler, L. Spindler, W. J. Stein, H. L. Stollenberg, Vollralh, L. v. Wiese. München und Leipzig 1924. &5o S- Die vorliegenden „Versuche zu einer Soziologie des Wissens" sind ein Sammelwerk, das der Direktor des Forschungsinstituts für Sozialwissenschaften in Köln, Max Scheler, im Auftrage des Instituts herausgegeben hat. Nach einer einleitenden Abhandlung Schelers „Probleme einer Soziologie des Wissens'*, der bei weitem umfangreichsten Schrift des Bandes, folgen vier Aufsätze (Luchtenberg, Jerusalem, Stoltenberg, Wiese), die sich mit allgemeinen Form fragen und erkenntnistheoretischen Problemen der Soziologie befassen und drei Abhandlungen — Hashagens „Außerwissenschaftliche Einflüsse auf die neuere Geschichtswissenschaft" (eine lehrreiche und interessante Skizze), Honigsheims „Stileinheit zwischen Wirtschaft und Geisteskultur" und „Soziologie der Jurisprudenz" — unter der Überschrift „Wissensbedingungen im Bereiche von Geschichte, Recht und Wirtschaft" zusammengefaßt Der übrige Teil des Buches (S. 975 bis 45o) wird ausgefüllt von soziologischen Untersuchungen bestimmter historischer Erscheinungen („geschichtliche Typen wissenschaftlicher Kooperation" heißt es im Inhaltsverzeichnis): die indische Lebensweise, die Schulgemeinschaft des Aristotelischen Peripatos, die Scholastik, realistisches und nominalistisches Denken, die Mystik, die Soziologie moderner Lebenskreise, die psychoanalytischen Zirkel, die Anthroposophie, die Jugendbewegung, die moderne Forschung und ihre Organisation, die Gegenwartskrise der Kulturinstilute in ihrer soziologischen Bedingtheit werden behandelt. Wie die Aneinanderreihung der Themata etwas bunt ist, so sind auch die Beiträge selbst nach Form und Inhalt in einem Maß verschieden, daß der unvorbereitete Leser einigermaßen in Verwirrung geraten kann. Neben Schelers phänomenologischer, auf Wesensschau und evidente Weseusgesetzlichkeit gegründeter Philosophie, die auch die faktischen, empirisch festgestellten Abhängigkeiten der objektiven Kulturgehalte in einer allgemeinen Wesenslehre vom menschlichen Geist verankern will, steht Jerusalems („Die soziologische Bedingtheit des Denkens und der Denkforraen") Pragmatismus, der eine Wesenswissenschaft und Wesensschau, die von der „Erfahrung' unabhängige Resultate liefert, kurz als Täuschung ablehnt, die eben durch das Übersehen des sozialen Faktors in der Erkenntnisentwicklung bedingt sei. Soziologie ist eine philosophische Disziplin, die in ihrer Behandlung stets den philo- 126

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