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Der Morgen · 1925-04-01 · Heft 1 (April 1925) · p. 71

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 1 (April 1925)
Article
Heilig
Date
1925-04-01
Page
71 (sequence 3)
Language
German
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Ein Hymnus des Jehuda Halevi daß die eine um etwas beten kann, um was die andre nicht beten kann. Aber wenn echtes Gebet möglich ist, dann wird das Unmöglichste möglich; und wo es nicht möglich ist, wird das Möglichste unmöglich. So kann es möglich sein, daß Tote auferstehen, und unmöglich, daß Kranke gesund werden. Es gibt nichts an sich Unmögliches, nur vieles was wir für so unmöglich halten, daß wir nicht darum zu bitten imstande sind, und andres was wir durchaus für möglich halten und wo wir doch aus irgend welchen Gründen keine Kraft haben, darum zu bitten. Am Wunder ist so eigentlich nichts wunderbar, als daß es — eintritt Hunderte von Malen hat der Ostwind vielleicht schon die Furt im Roten Meer freigelegt, und Hunderte von Malen wird er es noch tun; daß er es aber in dem Augenblick tut, wo das Volk in seiner Not hineinsteigt, das ist das Wunder. Was eben noch erbetene Zukunft war, das wird nun eintretende Gegenwart Diese Anreicherung eines Gegenwartsaugenblicks mit Vergangenheit, seiner Vergangenheit, gibt ihm Kraft, als gegenwärtiger, nicht vergangener, Augenblick fortzudauern, und hebt ihn so aus dem Fluten der Augenblicke, deren Genoß er doch bleibt, heraus. So wird das Wunder die Keimzelle der Heiligkeit, die solange in Kraft steht, als sie mit diesem Ursprung verbunden, als sie wunderbar bleibt Der Scheidungen, die der Mensch zu setzen versucht, lacht der Schöpfer, der nur Eine Schöpfung erschuf, und läßt sie immer wieder von dem hervorbrechenden urgeschaffenen Chaos überfluten; die Scheidungen aber, die Gott selber setzt, breiten sich aus über die ganze Schöpfung und machen in ihrer werdenden Ein- und Allheit das schweigende Geheimnis der einen Schöpfung offenbar. 71

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