Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen der Menschen
- Date
- 1920-01-01
- Page
- 305 (sequence 1)
- Language
- German
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Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen des Menschen. Herrn Prof. Dr. Brann zum 70. Geburtstage. Von V. Aptowitzer. (Fortsetzung) In der Agadah — in der die Anschauung herrscht, daß Tieren und leblosen Dingen Lohn zuteil wird, und sie der Strafe unterworfen sind1) — lebt die gesamte Natur, lebt, fühlt, hört, sieht, spricht und —denkt. Ein latentes Leben, Fühlen und Denken, das zu bestimmten Zwecken, bei besonderen Ereignissen, unter starken Eindrücken frei wird und sich äußert. In ihrem eigenen Wirkungskreise, wo die Agadah frei dichtet und erzählt, läßt sie Tiere und Dinge zumeist selbständig und mit Bewußtsein in die Geschicke der Menschen eingreifen, an ihren Schicksalen Teil und Anteil nehmen. Was das Eingreifen und Teilnehmen betrifft, wird zwar, selbst dort, wo es nicht ausdrücklich gesagt wird, stillschweigend vorausgesetzt, daß Tiere und Dinge bloß Vollstrecker des göttlichen Willens sind, in der Darstellung aber erscheinen sie selbständig handelnd und bewußt wirkend. Sie erhalten wohl von Gott die Befehle, auf welche Weise aber sie die Befehle ausführen, dies ist ihrer eigenen Initiative überlassen. So faßt die Agadah auch die biblischen Erzählungen, in denen Tiere als Vollzieher der von Gott verhängten Strafe Vorkommen, auf. Aber in der Anteilnahme an den materiellen und moralischen Schicksalen der Menschen: Mitleid, Mitfreude, Liebe und ג) Vgl. über dieses Thema Aptowitzer, Freie jüdische Lehrerstimme IV Nr. 1 und 2. Monatsschrift, 64. Jahrgang. 20