Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 64 (1920)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
- Date
- 1920-01-01
- Page
- Seite 301 (sequence 20)
- Language
- German
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erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme. 301 Von dem Maße der durch dies Zusammenwirken gegebenen Austnünzung der nationalen Trunksucht, von dem Umfang der Propinations- und Krugpachtungen und ihrer Darstellung in Geldeswert geben Tatsachen und Zahlen eine nur zu deutliche Vorstellung. Die Abhaltung der Wochenmärkte am Sonntag, der wir vielfach begegnen, beispielsweise in Buk1), Gostin2), Kurnik3), Mielczyn4 5) und Schroda6), kam den mannigfaltigsten Interessen entgegen — unter anderem gewährleistete sie dem Juden seine Sabbathheiligung — und diente bei dem Zusammenströmen der ländlichen Bevölkerung all denen, die die Schankgerechtigkeit verliehen und ausübten6). Ohne am Orte vorhandene Schenken war das Zustandekommen eines Wochenmarktes überhaupt nicht denkbar. So war in der Neustadt Plock ein viereckiger Platz, der anfangs zum Jahrmarkt bestimmt war, auf dem aber nie Markt gehalten wurde, ,,vermutlich“ —wie v. Textor sagt — ,,weil keine Schenke in der Nähe war“7). Nach der Aufhebung der Dorfjahrmärkte verdankten viele Dörfer dem mit Jahrmärkten zu offensichtlich verbundenen Nutzen für die Propination ihre Erhebung zur Mediatstadt8). x) Ortßch. Nr. 145. 2) Ortsch. Nr. 346. 3) Ortsch. Nr. 570. 4) Ortsch. Nr. 734 a. 5) Ortsch. Nr. 1393. In Mieschkow — Ortsch. Nr. 751 — war zwar kein Wochenmarkt, vielmehr am Sonntag alles zu verkaufen. In Fraustadt heißt, wie ich es dort selbst gehört habe, bemerkenswerter Weise noch heute der Donnerstag stattfindende Wochenmarkt ״Bauernsonntag“. G. Adler behauptet dagegen im Anschluß an Warschauer (Z. I. 4:56), daß die Wochenmärkte mit Vorliebe auf den Sonnabend verlegt wurden. Z. IX. 224. 6) 8—10 Jahrmärkte für kleine Orte unter 1000 Einwohner waren nicht ungewöhnlich. Ohne daß sie selbstverständlich dem Verkehrsbedürfnisse entsprochen hätten. D. J. 1793, S. 535. 7) v. Textor, S. 309. 8) Hüppe 306.