Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 2)
- Language
- German
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378 Besprechungen. Stoff erstellt. Es war als naheliegend, diesen auch für die Synagogen zu wählen. Der künstlerische Einfluß des deutschen Mutterlandes zeigt sich bei den Emigranten, wie ich in meinen Arbeiten überzeugend nachzuweisen glaube, wohl nur im Kunstgewerbe, in der bis auf romanische Urbilder zurückgreifenden Ornamentik und Malerei, ־ Die in dieser polnischen Veröffentlichung in 22 Bildern angeführten I7 Holzsynagogen verteilen sich auf die verschiedensten polnischen Landschaften, und zwar: Krakauer Gebiet: Pili ca, Sandomir: Przedbörz, Bogorya, Kalisch: Lutomiensk, Masowien: Hoch Masowieck, Sniadow, Jedwabno, Nasielsk, Podlachien: Zabludow, Telaki, Sopoökinie, Litauen: Wolpa, Suchowola, Jurburg, Wolhynien: Lanckorona, Ostropol. Leider ist diese Wiedergabe interessanter Betschulen durchaus lückenhaft und offenbar nur zufällig zusammengetragenes Material, ohne alles System. Auch sind die Lichtbilder ausschließlich Aufnahmen des Äußeren und einzelner seiner Teile. Die überaus reizvollen, die malerische Fassade künstlerisch wesentlich überragenden Innenansichten fehlen leider gänzlich. Es dürfen noch viele Jahre vergehen, bis die Forschung, unterstützt durch friedliehe Entwickelung des Landes, uns ein vollständiges Bild des polnisch-jüdischen Sakralbaues liefern wird; daß dieses Material aber von überwältigender Fülle sein dürfte, kann schon heute angenommen werden. Immerhin ist diese Veröffentlichung schon als ein beachtenswerter Schritt zu diesem Ziele anzusehen. Denn einzelne der Yorgeführten Beispiele hat die Literatur bisher nicht aufgeführt, wie Bogorya, Telaki und Sopodkinie. Die letztgenannte Synagoge ist ein besonders wertvoller Typus des jüdischen Sakralbaues; sie zeigt die von allen Auswüchsen der Dachform bereits abgeklärte dreimal abgesetzte Mansardengestalt des Daches und an der Westseite die — offenbar in Podlachien sehr beliebten — rudimentären Turmansätze, auf die ich bereits früher hingewiesen habe. Das auf gutem Papier gedruckte, schön ausgestattete Werk kann als wertvoller Wegweiser für das Studium polnischer Baukunst, besonders für den Sakralbau des Landes, warm empfohlen werden. L. Grotte.