Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 377 (sequence 1)
- Language
- German
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Besprechungen. 877 »Wies i miasteczko«, (Dorf und Städtchen), Warschau, Gebethner (216 S. mit 532 Abb.). ,;Unter diesem Titel veröffentlicht die »Gesellschaft zuna Schutze der Altertümer der Vergangenheit.« in Warschau ein ungemein anziehendes und zeitgemäßes Werk über die polnische Baukunst; Vornehmlich handelt es sich hierbei um die Zeit bis zur I. Teilung Polens und meistens um Bauwerke, die in ihrer jetzigen Gestalt aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammen. Den politischen Verhältnissen des-׳ehemaligen ,Reiches entsprechend, sind es zumeist Baulichkeiten für den; Herrendienst und Gottesdienst,. die in den 532 guten und klaren Bildern vorgeführt werden. Im ganzen nur 4 Rathäuser neben 81 Holz־ und zahlreichen Steinkirchen 1 Für die Wissenschaft des. Judentums ist dieses Werk insofern nicht unwichtig, als hier zum ersten Male die schönsten Holz- Synagogen Polens in einer Vervielfältigungstechnik erscheinen, die nun erst ein eingehendes Studium und Vertiefen in die Eigenart dieser Bauwerke gestatteten. In meiner Arbeit über die Synagogentypen Polens ist meistens . nur auf die bis dahin zur Verfügung stehende Literatur hingewiesen worden; was diese aber an Abbildungen brachte, war meist minderwertig, undeutlich und mehr romantisch-dilettierend als architektonisch-brauchbar. Das Erwachen des polnischen Volkes aus dem harten Druck zaristischer Bevormundung hat dieses veranlaßt, sich auch in künstlerischen Dingen an seine Stammes- und Eigenart zu erinnern und in einer 1915 veranstalteten Ausstellung das hier dargestellte Material zusammenzutragen. Daß bei der starken Durchsetzung der polnischen Bevölkerung mit Juden die Baukunst dieses Gastvolkes im Städtebilde eine nicht unwesentliche Rolle spielte, ist naheliegend; ebenso die Wechselbeziehungen, die zwischen den Sakralbauten beider Bekenntnisse vorherrschen. Bersohn weist darauf hin, daß die aus Deutschland eingewanderten Juden baulich durch die schlesischen Vorbilder (Holzkirchen) beeinflußt wurden. Dies scheint mir ein Trugschluß. Denn die oberschlesischen Kirchen, auf die Bersohn hinweist, sind doch selbst wesentlich unter polnischem Einfluß gestanden; sie sind in diesem Werke in 8 Bildern vertreten. Um aber Vorbilder für den Sakralbau zu beschaffen, fanden die Baumeister in der Umgebung Stoff in großer Fülle; denn die überwiegende Zahl der polnischen Kirchen war aus dem Heimischen Holzwerk-