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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 3 · p. Seite 331

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 3
Article
Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden
Date
1919-01-01
Page
Seite 331 (sequence 17)
Language
German
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Kaiser Friedrich II. und die deutschen Juden. 381 Wien reichsunmittelbar geworden ist; der inzwischen verstorbene Herzog hatte sich auf die Juden, fast möchte man sagen, gegen die Bürger von Worms gestützt, der Kaiser mußte sich auf die Bürger von Wien stützen, die im Kampfe gegen den Herzog seine Verbündeten gewesen sind, und daraus ergibt sich eine Stellungnähme gegen die Juden. Wir ziehen das Fazit aus allem bisher Gesagten über die Stellung Friedrichs zu den deutschen Juden, und das Resultat scheint sich mehr zu seinen Gunsten zu neigen, als wie es in den bisherigen Darstellungen der Fall war. Nicht persönliche Animosität und intoleranter Sinn beherrschte ihn gegen die deutschen Juden, nein, nur unendlich fern lagen sie dem Schwerpunkt seiner Herrschermacht Sizilien. Es war nicht bloß zu ihrem Nachteil, sondern zu dem ganz Deutschlands, daß der Herrscher ein Italiener war! So geht kein Riß durch das Verhalten FriedrichsIIl) zu den sizilischen und den deutschen Juden, und der Vorwurf der Doppelzüngigkeit ist ihm nicht zu machen. Religiös lag ihm jede Unduldsamkeit fern, und politisch waren ihm die Juden ein Machtfaktor, den er nach den Gesichtspunkten des Staatswohles behandeln mußte. Es lag in den Verhältnissen gegeben, daß die Konstellation in Deutschland eine andere war, als in Sizilien. Hätten ihm die Zeitläufte gestattet, den Schwerpunkt seiner Regierung nach Deutschland zu legen, und hätte er sich nicht hier ständig vertreten lassen müssen, so scheint es wohl als gewiß anzunehmen, daß er niemals geduldet hätte, daß sich durch Vorurteile und Irrlehren die Stellung der Juden zu verschlechtern begann, denn er wußte wohl, wie brauchbar sie waren. Aber Palermo, sein Herrschersitz, war weit. So konnten die Kleinen in Deutschland *) Auch sein Verhalten den Juden Frankfurts gegenüber (Mainz 1246, Aronius a. a. O. Nr. 554) kann man nicht als solchen bezeichnen; er mag die Überzeugung gehabt haben, daß ihre Ermordung wirklich »negligenter et contingenter potius quam voluntarie commississe.« Auch ist es nicht ganz klar trotz des »speciale. mandatum«, in wie weit der Kaiser oder sein Sohn für diesen Straferlaß verantwortlich zeichnet. Vgl. Güdemann a. a. O. S. 102.

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