Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Schatzkammer des Tempels in Jerusalem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 26)
- Language
- German
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252 Die Schatzkammer des Tempels in Jerusalem. hatten, nicht die Pflicht auferlegt wurde, sich davon zu überzeugen, daß die fünf Siegel an der Vortüre des Tempelschatzes, unverletzt sind? Die anderen Hallen, welche Wertgegenstände bargen, wurden mehr oder weniger fast täglich geöffnet; bei diesen konnte ein Abgang nicht lange unbemerkt bleiben. Die Schatzkammer hingegen, die zuweilen Millionen enthielt, wurde höchst, höchst seiten aufgeschlossen; da wäre ein Fehlbetrag sehr spät entdeckt worden. Deshalb war es unerläßlich notwendig, Tag für Tag sich davon zu überzeugen, daß die fünf Siegel unverletzt,, daß die zwei Schlösser der Haupttüre unberührt geblieben. Dazu war schon deshalb längere Zeit nötig, weil man die Fackeln der Türe nicht allzu nähe bringen durfte, um die Siegel nicht zu gefährden. Diese sorgfältige Untersuchung neben der sonstigen Durchforschung des zwischen dem Moked-Gewölbe und dem;]בית עושי חביתי -Raumes dürfte genau soviel Zeit in Anspruch genömmen haben wie, die den nach Rechts abschwenkenden Priestern obliegende Untersuchung der Azarah. Ich darf nun kühn behaupten, daß Josephus und die Mischnah sich gegenseitig ergänzen. Aus Bell. juä. V, 5. 2 wissen wir, daß die Gazophylakiera auf der Nordseite vor der Tempelmauer, aus der richtig aufgefaßten Mischnah Tham. 1, 3, daß sie in der östlichen Hälfte zwischen dem Moked-Gewölbe und der Quader-Halle lagen. Es berührt uns in hohem Grade sympathisch auf Grund einer streng sachlichen Untersuchung nunmehr zu wissen, daß der Tempelschätz in der unmittelbaren Nähe jener Quader-Halle geborgen war, von welcher es in der Tosifta1) heißt משם הלכה יוצאה ורווחת בישראל, Nur unter dem Schutze der ewigen Wahrheiten des Judentums, nur im Dienste unseres idealen Schatzes hat der materielle Schatz unseres Volkes einen Wert. Das war so zu allen Zeiten, und die Männer der Wissenschaft des Judentums werden mit Gottes Hilfe stets dafür Sorge tragen, daß es auch in aller Zukunft dabei bleibe. Wien, den 9. Mai 1919. T) Ghagigah 2, 9 Sank. 7, 1.