Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Entstehungsgeschichte des Joel'schen Gebetbuchs
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 3)
- Language
- German
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212 Die Entstehungsgeschichte des Joel’schen Gebetbuchs. Schluß, eine zum ersten Male die Gesamtgemeinde repräsentierende Synagoge, welche gemäß § 95 des Gemeindestatuts unter die unmittelbare Aufsicht der Gemeindeverwaltungsbehörden zu stellen sei, errichten zu lassen. Alsbald wurde auch von der für die konservative Richtung in der Gemeinde bestehenden Kultus״ kommission I die Frage nach Gestaltung der rituellen Einrichtungen für die neue Synagoge durch eine schriftliche Eingabe an den Vorstand zur Diskussion gestellt. Nachdem aber die Versuche einer Einmischung in die durch das erwähnte Statut dem Vorstand allein vorbehaltene Kompetenz durch einen Regierungsentscheid vom 24. Februar 1865 zurückgewiesen waren, ruhte während der Entstehung des Synagogenbaues die Frage bis zum Jahre 1869.. Als nun aber innerhalb der allmählich zum Himmel wachsenden Raummassen ein Platz für Aufstellung einer Orgel reserviert wurde und in der Gemeinde die Rede sich verbreitete, es bestehe in maßgebenden Kreisen die Absicht, die in der Storch- Synagoge eingeführte Kultusordnung in die Hauptsynagoge zu übertragen, da wandten sich 124 Mitglieder der. Gemeinde, an ihrer Spitze Dr. Heinrich Graetz und Dr. B. Zuckermann, mit einer neuerlichen Eingabe vom 9. Februar 1869 an das Vorstandskollegium, in welcher sie bei aller Billigung der neuzeitlichen Bestrebungen nach einer dem ästhetischen Sinne zusagenden Form des Gottesdienstes, die Forderung erheben, daß: 1. von der Einführung der Orgel Abstand genommen werde;: 2. die hebräische Sprache beibehalten werde; 3. das Gebet in seinen substantiellen Teilen nicht geändert werden solle. Die Eingabe schließt mit den Worten: »Wir lieben den Frieden und wollen die Gemeinde nicht durch ein Schisma trennen. Aber mit dem Aufgeben unserer religiösen in uns tief wurzelnden Überzeugung wäre uns dieser Frieden zu teuer erkauft«1). Der Vorstand antwortete ausweichend und beruhigend, er *) Acta des Vorstandes der Synagogen-Gemeinde zu Breslau. Betr. Neue Synagoge. S. 2 ff.