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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 2 · p. Seite 166

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 2
Article
Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland
Date
1919-01-01
Page
Seite 166 (sequence 2)
Language
German
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166 Zur Frühgeschichte der Juden in Deutschland, Gebiet, das man zu jener Zeit als zu Deutschland gehörend be״ trachtete, von Juden zuerst die Rede in Salzburg,, das ja, im Stromgebiet der Donau, einer Hauptverkehrsader für den Levante' handel, gelegen, jedenfalls eine günstige Gelegenheit für eine größere Siedelung überhaupt und von Juden insbesondere bot. So dürften sich dort jüdische Kaufleute ansässig gemacht haben. Einen Anhaltspunkt dafür haben wir darin, daß man um 800 in den Kirchen dort am Karfreitag für die Bekehrung der Juden betete, besonders aber, daß dort ein jüdischer Arzt existierte, was zweifellos auf das Vorkommen einer Anzahl von Juden daselbst schließen läßt 1). Auch Regensburg, an der Donau, selbst gelegen,, wo Karl der Große zeitweise sein Hoflager hielt, und das auch viel für den Orienthandel bedeutete, kann wohl, mit Sicherheit, als sehr alte Judensiedelung angesehen werden2 *). Jüdische Quellen aus dieser frühen Zeit stehen uns garnicht zu Gebote; auch kommt eine Bezeichnung für Deutschland unseres Wissens in jener Epoche nirgends vor. Erst im 10. Jahrhundert lichtet sich für uns das Dunkel in der Geschichte der Juden Deutschlands, indem wir bestimmte Kunde über eine Siedelung im jetzigen Oberösterreich haben, wo wir ihnen in der Gegend von Linz als dort ansässigen Kaufleuten begegnen, wie wir es 1) Vgl. jetzt Altmann, G'esch. d. Juden in Stadt u. Land Salzburg, S. 13—14• 2) Vgl. Stobbe, Die Juden in Deutschland usw., S. 67—68 und־ Freimann in Mschr. 1Q09, S. 590. Eine der Hauptpersonen des internationalen Handels, der sprachenkundige Isac, dessen sich der Kaiser zu seiner Gesandtschaft an Harun al Raschid bediente, stammte wahrscheinlich aus Südfrankreich, wo ja schon seit geraumer Zeit die Juden an dem durch die Lage am Mittelmeer sehr begünstigten Orienthandel stark beteiligt \varen, und wo sich die direkt aus Juden bestehende HandelsVereinigung der »Radaniten« oder »Rhodanici« gebildet hatte, — vgl. hierzu Simonsen in REJ. LIV, 141 u. meine Bemerkung in Graetz;V4, S. 556. — Die für seine *Mission notwendige Kenntnis des Arabischen konnte ja nur ein mit dieser Sprache vertrauter Südfranzose־ besitzen, und der Einfluß arabischen Wesens wird damals, wenige Jahrzehnte nach dem Eindringen der islamitischen Eroberer dorthin, noch ziemlich beträchtlich gewesen sein.

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