Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jüdische Geschichte und Religionsphilosophie
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 98 (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische Geschichte tmd Religionsphilosophie. Von Albert Lewkowitz-Breslau. Wenn man unter Philosophie eine zeitlos gültige Welt- und Lebensanschauung, die absolute Erkenntnis der Ideen und Werte versteht, die das menschliche Leben zum Kulturleben erhöhen, so wird mit der Bedeutung des Menschen als des Trägers der Kultur die Geschichte des Menschengeschlechts zum Wertmitteipunkt des kosmischen Geschehens. Wie aber, wenn dieser Anspruch der Philosophie, die absolute Erkenntnis wohl nicht der Wirklichkeit, aber der Ideen zu sein, sich als trügerisch erweist, wenn es? ebenso wenig eine absolute Ideenerkenntnis wie Welterkenntnis g i bt sondern auch die Ideale und Werte des Menschenlebens, einem Wandel unterliegen? Verliert dann *mit der einheitlichen Orientierung nach einem starren Ideensystem auch das geschichtliche Leben der Menschheit seinen einheitlichen Sinn und Wert und löst es sich in den Wechsel und Taumel durcheinander wogender und wechselnder Bestrebungen auf? Dies wird behaupten, wem Ideen und Werte logisch beweisbare Zielsetzungen sind. Denn dann ist mit der Aufgabe der logischen Einheit und Absolutheit des Zieles auch die Kontinuität der Kulturentwicklung aufgehoben, sind die Verschiedenheiten der Zielsetzungen, insofern sie nicht durch die Materie des kulturellen Wirkens gefordert sind, nur Abirrungen von der strengen Linie der Kultur. Dies ist im Wesentlichen die Anschauung des Neukantianismus, insbesondere der Marburger Richtung. Wer aber diese Intellektualisierung des Kulturschaffens ablehnt, wem auch Zielsetzungen und Werte Produkte der ganzen geschichtlichen Lebensbewegung sind und nicht das der geschieht-