Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829887-2829891-2894573--43373-2894737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Besprechungen. 295 Wiederaufbau der Judenstadt absehen. Über die Besitzverhältnisse aber ist der Aufschluß reichhaltiger. Hier ergeben sich kulturgeschichtlich wertvolle Fingerzeige. Man wohnte 2 bis 4 Jahre zur Miete und. wenn inan sich sicherer fühlte, schloß man auch auf Lebenszeiten Mietsverträge ab. 2 Parteien bewohnten in der Regel ein Haus. Auch Namen der Häuser sind überliefert. Dieser Einleitung zu der Ausgabe fügt Süßmann noch eine sorgfältig gearbeitete Übersichtstabelle ein. Die nun folgende Ausgabe selbst ist begleitet von einer Reihe von Fußnoten, die über die wichtigsten Fragen Aufschluß geben. Der Ausgabe folgt ein Register, das für die Wissenschaft die eigentliche Frucht der Arbeit darstellt; hier sind einmal alle jüdischen Eigennamen in ihren verschiedenen Fassungen aufzufinden, die ein Bild davon geben, wie die Namengebupg während 50 Jahren in einer Gemeinde Deutschlands war, woraus wiederum sich Schlüsse für den allgemeinen Gebrauch ziehen lassen. Dann folgt ein Ortschaftenregister, das auf die Zuwanderung interessante Schlaglichter wirft. Besonders behandelt werden darauf Berufe und Titel. Der zweite Hauptteil des Registers umfaßt die Stadt Erfurt, hier wird der Lokalforscher manches Material finden, aber ebenso auch der Kulturhistoriker. Im dritten Hauptteil des Registers findet sich eine philologisch bedeutsame Zusammenstellung des Wortschatzes; mittelalterlich lateinische Philologie ebenso wie die deutsche wird an ihr nicht Vorbeigehen können. — Damit schließt das Buch. Wer immer über die Geschichte der Juden im 14. und 15. Jahrhundert zu schreiben haben wird, wird die Süßmannsche Ausgabe des Erfurter Judenbuches nicht unbeachtet lassen können. Reiches Material liegt in ihr zutage; hier weiter zu forschen, hat ein früher Tod dem Verfasser nicht erlaubt. Mitten aus fruchtbarem Schaffen gerissen, ist er für uns alle dahingegangen, und wenn die Wissenschaft ungestört durch Einfälle feindlicher Heere in Deutschland ihren Gang gehen, wenn der Forscher ungestört in Arbeitszimmer und Bibliothek schaffen darf, so verdankt sie das der eisernen Mauer der Soldaten, von denen einer auch Arthur Süßmann war, der seine Treue zum Vaterlande mit dem Tod besiegelt und gezeigt hat, daß er nicht nur die Feder, sondern auch das Schwert zu führen berufen war. Dr. Willy Cohn firn Felde).