Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 7)
- Language
- German
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Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. 237 Blatt, das von Friedrich Wilhelm Levysohn herstammt, der als Buchhändler in Grünberg u. A. Geigers Zeitschrift für Wissenschaft« liehe Theologie verlegt hat, und nachmals Vertreter seines Heimatkreises in der Paulskirche in Frankfurt a. M. geworden ist1). Damals gerade tat die preußische Regierung einen weiteren Schritt, um die neu gewonnene judenschaft des Großherzogtums Posen zum Vollbesitz der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Gleichberechtigung vorzubereiten. In der »vorläufigen Verordnung wegen des Judenwesens in der Provinz Posen« vom 1. Juni 1833 wurde den jüdischen Verwaltungsbehörden zur Pflicht gemacht, »dafür zu sorgen, daß es keinem schulfähigen Kinde am gehörigen Schulunterricht fehle« (§ 9). Schreiben und Lesen in deutscher Sprache wurde immer mehr das Gemeingut des heran wachsen den jüdischen Geschlechts, wenngleich die Leistungen der damaligen Volksschulen noch recht unzulänglich waren2). Niederschriften in hochdeutscher Sprache und in deutschen Buchstaben wurden allmählich die Regel. Dem nachwachsenden Geschlecht erschien das bald so selbstverständlich, daß es die älteren Zeugnisse dieser neumodischen Geistersichtung meist achtlos zu Grunde gehen ließ. Nur hin und wieder sind Lebenserinnerungen, Briefsammlungen, Darstellungen einzelner Ereignisse, Gedenk- und Tagebücher von pietätvollen Enkeln und Urenkeln aufbewahrt worden. In diese Literaturgattung, die den Reiz einer ganz besonders eigenartigen Frische an sich trägt, gehört das umfangreiche Tagebuch, das uns über H. Graetzens aufsteigenden Werdegang Aufschluß gibt Hier ist sogar der ב) Er war am 13. Juni 1815 in Glogau geboren und starb am 26. Mai 1871, vgl. Grünberger Wochenblatt vom 11. Oktober 1839. 2) Über die jüdischen Schulverhältnisse in der Provinz Posen vgl. oben S. 234, Anm. 3 und die Abhandlung Kanopkas in der Ztschr. der histor. Gesellschaft für die Prov. Posen, Jhrg. XXVI (1911), S. 276ff., sowie dessen Mitteilungen aus Lehrer-Eingaben, Prüfungs- und Revisions- Protokollen aus den Jahren 1824—1854, a. a. O. S. 257 ff. Im Urteil über die Minderwertigkeit der neuen, übrigens sowohl der christlichen, als der jüdischen Schulen, stimmt mit ihm Laubert überein, a. a. O. XXVIII (1913), S. 150 ff.