Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die ersten an der Wiener medizinischen Fakultät promovierten Ärzte jüdischen Stammes
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 220 (sequence 2)
- Language
- German
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220 Die ersten an der Wiener medizinischen Fakultät aber Allerhöchst dieselbe außer gar wichtigen Ursachen nicht leicht erteilen werden, sich unterstützt befinden.«1) Für die Juden wurde das medizinische Studium in Wien erst durch das Eingreifen des unvergeßlichen Kaisers Josef II. zugänglich gemacht infolge des Toleranzpatents vom Jahre 1782. Akatholiken hatten in Wien schon früher (seit 1779) den medizinischen Doktorgrad erwerben können. Ein vom 17. Januar 1782 datiertes Hofkanzleidekret an die n. österr. Regierung lautet: »Unter anderer der Judenschaft allermildest verwilligten Begünstigungen haben S. K. K. M. allergnädigst resolviret, daß die Kinder der Juden (da ihnen außer der Theologie alle hohen Schulen zu besuchen gestattet ist), wenn sie sich durch Talenten und Anwendung in Wissenschaften entscheidend auszeichnen, auch zur Erhaltung der Doktorswürde sowohl im juridischals medizinischen Fache über vorläufige Prüfung et praesiitis reliquis praestandis fähig seyn sollen und solche erlangen mögen; welche Allerhöchste Entschließung man ihr, Regierung, zur Wissenschaft und weiterer Bekanntmachung an das Consistorium ordinarium universitatis eröffnet, wie man dann die Hn. directores der juridisch- und medizinischen Fakultät hiervon unter einem verständiget.« ln der Fakultätssitzung vom 23. März I782 wurde dieses, mit der ganzen bisherigen Tradition brechende Hofdekret zur Verlesung gebracht. (Act. Decan. Fakultät, med. libro 9, p. 146). Rosas III, S. 75). Entsprechend der fünfjährigen Studiendauer konnte vor dem Jahre 1787/8 keine Promotion eines Juden zum Doktor der Medizin stattfinden, tatsächlich finden wir die erste im Jahre 1789 verzeichnet; hingegen wurde 1782 zum ersten Mal ein Jude, namens Jacob David, aus der Chirurgie geprüft (Rosas, III, S. 85). Im Pedellenbuche der Wiener Universität ist die Konfession der Promovenden nicht angegeben, doch bietet der »Catalogus Medicinae Doctorum rigorose examinatorum«, der sich im Besitze der medizinischen Fakultät findet, erwünschten Auf- ג) Rosas A. v. Kurzgefaßte Geschichte der Wiener Hochschule Wien 1843—47, II, S. 277.