Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 16)
- Language
- German
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176 M. Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. wegkommen, so ist es nicht seine Schuld. In keinem Falle darf man ihm Mangel an Objektivität vorwerfen, wofern solche bei der Darstellung der Geschichte irgend eines Volkes überhaupt erreicht werden kann. Ich will Güdemanns Polemik mit Ludwig Geiger über diesen Punkt an dieser Stelle nicht näher berühren, sondern nur erwähnen. Sie ist von beiden Seiten etwas erregt geführt worden. Über die »Quellenschriften« habe ich bereits gesprochen. Sie enthalten wichtiges Material zur Geschichte des Unterrichtswesens bei den deutschen Juden in hebräischer und deutscher Sprache, das bis in das achtzehnte Jahrhundert hineinreicht. Güdemanns Geschichte des Erziehungs- und Unterrichtswesens und der Kultur der Juden ist und bleibt eines der besten Werke, das auf dem Gebiete der jüdischen Geschichte geschrieben worden ist. Er hat sich als der bedeutendste Schüler von Graetz erwiesen und nimmt als Geschichtsschreiber neben ihm einen der ersten Plätze ein. — Die Monumenta Germaniae Paedagogica zählten ihn zu den Mitarbeitern und auch dort hat er sich ein Denkmal gesetzt. In sehr zahlreichen Arbeiten, deren Besprechung und Aufzählung einer erschöpfenderen Darstellung als es die vorliegende ist, zukommt, hat Güdemann noch vieles Wertvolle und Originelle niedergeschrieben. Einer, wie mir scheint, zusammengehörenden Reihe will ich doch noch gedenken, nämlich der Schriften: »Wie sollen wir die Bibel lesen?« (Wien 1909); »Kürzen und Längen in der Bibel« (Wien 1911); »Biblische Geschichte und biblische Geschichten« (Breslau 1911); »Der jetzige Weltkrieg und die Bibel« (1915). Unaufhörlich entdeckte Güdemann neue Seiten am Bibelworte, und immer hatte er geistreiche, originelle Ideen; er kehrte im hohen Greisenalter zur Bibelforschung zurück, der er gerade in den letzten Jahren namentlich mit besonderer Hingebung oblag, ln dieser Monatsschrift, deren überaus treuer, fleißiger Mitarbeiter er sozusagen seit deren Entstehen unter Frankel-Graetz und während der ganzen Redaktions-