Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 161 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2829132-2829887-2829891-2894555--43214-2894603- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Moritz Güdemanns Anteil an der Wissenschaft des Judentums. Von D. Feuchtwang. Die Wissenschaft des Judentums hat durch den Heimgang Moritz Güdemanns einen ihrer bedeutendsten, begabtesten und fruchtbarsten Vertreter verloren. Seine Werke sind neben den besten zu nennen und bleiben dauernde Denkmäler seines rastlosen Schaffens. Die wissenschaftliche Lebensarbeit Güdemanns ist von ihm in einem Zeitraum von ungefähr sechzig Jahren geleistet worden. Frühzeitig hat er begonnen und spät, eigentlich erst kurz vor seinem Todestage, hat er aufgehört. In literarischem Sinne aufgefaßt erfüllte dieser gottbegnadete Gelehrte das Schriftwort: »Am Morgen säe deine Saat und auch am Abende laß deine Hand nicht ruhen« (Koh. 11,6). Er trat als junger Mann von noch nicht dreiundzwanzig Jahren in die Arena und verließ den wissenschaftlichen Schauplatz nicht bis an sein Ende. Das Ergebnis seiner Leistungen liegt in größeren, umfassenden Werken und in überaus zahlreichen kleineren Schriften und Artikeln vor uns als wertvolles Vermächtnis eines emsigen, rastlosen Arbeiters, gründlichen Denkers, scharfsinnigen Gelehrten. Drei Richtungen kann man in seinen Arbeiten unterscheiden: eine religionsgeschichtliche, eine rein historische und eine apologetische. Die Zusammenfassung dieser drei Richtungen ist in seinen letzten, populärwissenschaftlichen Werken zu erblicken, welche gleichzeitig ausgereifte Bekenntnisschriften eines abgeklärten Greises sind, der seine Ernte eingeheimst hat und der jüdischen Mitwelt das nährende Brot einer auf Grund jüdischer Überlieferung geformten Welt- und Lebensauffassung darbietet. Sie sind die Summen seines jüdischen Lebens und Denkens. Denn Güdemann wollte nicht Monatsschrift, 62. Jahrgang. fl