Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 16)
- Language
- German
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Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. 123 solche Ärgernisse und Frechheiten enthalten, daß wir mit Recht die Kleider zerreißen könnten, wie es getan haben und tun müßten die guten Juden, wenn sie den Namen des Herrn lästern hören. So sagt er darin, daß ganz Israel Götzendienst treibt (faz culto estranho עובד עבודה זרה), den er zerstören will, wie Gideon einst den Altar des Baal zerstört hat .... Ferner sagte er, daß die Seele des Menschen sterblich und vergänglich ist und zugleich mit dem Körper endet, wie die Seelen der Pferde und Maultiere, in denen keine Vernunft ist«. Als da Costa die Unsterblichkeit der Seele leugnete, war er noch ein Bibelgläubiger, der es ehrlich mit dem biblischen Judentum meinte, das er für das allein richtige hielt, für das er werben, kämpfen und dulden wollte. Von dem Augenblick aber, wo er den Glauben an das von Gott geoffenbarte mosaische Gesetz mit dem Glauben an das natürliche Gesetz, an eine natürliche Religion, vertauscht hatte, entfiel für ihn jeder Anreiz und jede Veranlassung, sich zum Märtyrer fürs Judentum zu machen, das seinem Herzen und Gewissen völlig gleichgiltig geworden war. Aus dieser Erwägung heraus sagte er sich, was er später wieder bereut hat: »Was kommt dabei heraus (Quae utilitas), wenn ich bis zum Tode in diesem Stande verbleibe, getrennt von der Gemeinschaft jener Rabbinen (Patrum istorum) und jenes Volkes? Es wird besser sein, in ihre Gemeinschaft wieder einzutreten und ihren Spuren zu folgen, wie weit sie es wollen, indem ich, wie man sagt, den Affen unter Affen spiele« 1). Und nur aus dieser Erwägung heraus (bac motus consideratione), wie er selbst angibt, kehrte er zum Judentum zurück, rein äußerlich, ohne ein anderes Gefühl als höchstens das der Verachtung gegen sich und des Widerwillens gegen das Judentum. Was da Costa selbst ehrlich eingesteht, müßten auch alle seine Biographen bei allem Mitleid mit seinem Unglücke zugeben, daß es ihm an Charakterfestigkeit gemangelt hat. Harte Enttäuschungen, niederschmetternde Erfahrungen hatten x) Siehe Ex. 77.