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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1918-01-01 · Heft 2 · p. Seite 96

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
62 (1918)
Issue
Heft 2
Article
Neuorientierung unserer Wissenschaft
Date
1918-01-01
Page
Seite 96 (sequence 16)
Language
German
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96 Neuorientierung unserer Wissenschaft. handelt sein. Dafür Kräfte heranzuziehen, sie bei dieser Aufgabe festzuhalten, muß unsere Sorge bilden, wir dürfen die Zukunft unserer Wissenschaft nicht dem Zufall überlassen. Es hat Zeiten gegeben, wo man an die Zukunft der Wissenschaft des Judentums nicht recht glaubte und dennoch viele sich an sie heran drängten; heute ist jene Skepsis nicht mehr berechtigt, aber die Zukunft in Frage gestellt durch den Mangel an tüchtigem Nachwuchs. Von anderen Gedankengängen aus hat vor wenigen Wochen ein junger Gelehrter1) den Ruf erhoben, mit gewaltigen Mitteln eine Akademie für die Wissenschaft des Judentums zu gründen, in ihr die Gelehrten zusammenzuschließen und von ihr aus die Aufgaben zu formulieren, deren Erfüllung eine dauernde methodische Pflege unserer Wissenschaft verbürgt. Es sind hochgespannte Forderungen, mit dem idealen Feuer jugendlicher Begeisterung vorgetragen, die in ihrem vollen Umfange heute schwerlich die Durchführung erwarten dürfen. Aber wenn es uns vorerst noch an den geistigen Grundlagen fehlt, die Akademie zu begründen, so bleibt es unsere heilige, unabweisbare Pflicht, für die Heranbildung der Akademiker zu sorgen, für den Nachwuchs gründlich ausgebildeter Gelehrter, denen es um die methodische Pflege unserer Wissenschaft ernst ist, die an der Forschung aktiv teilnehmen, mit Verständnis und Kritik ihre Leistungen verfolgen und verbessern. Auch in der Welt der Wissenschaften gilt das Gesetz, daß diejenigen Zweige ihre Selbständigkeit erhalten, die sich über ihre Existenzberechtigung, ihre Leistungsfähigkeit und ihre Bedeutung für die allgemeine Kultur auszuweisen vermögen. Alle Orientierung kommt, wie es das Wort besagt, von der Sonne her. Suchen wir, uns unsern Platz an der Sonne zu sichern und zu erhalten, von dem aus wir das Erbgut der Väter gedeihlich bearbeiten, zu Nutz und Frommen der Wissenschaft, zum Segen und zur Ehre des Judentums! b Franz Rosenzweig: Zeit isfs. 15. Aufl., Berlin 1918, Vgl. Herman Cohen in den »Neuen jüdischen Monatsheften« II, Heft 11.

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