Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Graetzens Schema zu einer enzyklopädischen Bearbeitung des Talmud
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 413 (sequence 2)
- Language
- German
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Graelzens Schema zu einer enzyklopädischen Bearbeitung des Talmud. 413 ehrung nicht bloß von seinen Schülern umgeben sah, sofort vorgeschlagen, neben anderen, zu denen auch meine Person, »die geringste der Gelehrtenzunft«, sich zählen durfte. Die anderen Kommissionsmitglieder verließen bald darauf Breslau, ich selbst verblieb noch einige Tage daselbst, und so wurde mir der Auftrag, mit Graetz den Arbeitsplan zu beraten, da man voraussetzte, daß er mit seinem gewohnten Arbeitseifer und seiner nie rastenden Tatkraft die Sache in die Hand nehmen würde. Aber der vielbeschäftigte Lehrer hatte damals den Kopf voll von seinen exegetischen Studien; er arbeitete bereits an seinem letzten iextkritischen Werk »Emendationes in plerosque sanctae scripturae libros«, auf das er großen Wert legte, und über dem ein eigener Unstern waltete. Er hatte auch aus diesem Grunde das Erscheinen der Monatsschrift mit Ablauf des Jahres 1887 eingestellt, da Dr. P- Frankl, der gelehrte Rabbiner von Berlin, der die Redaktion weiterführen sollte1), am 23. Juli desselben Jahres zu allgemeinem Bedauern aus dem Leben geschieden war. Bei der Beratung, die wir miteinander hatten, erklärte Graetz,. daß er selbstverständlich die enzyklopädische Bearbeitung des Talmud für etwas sehr wünschenswertes halte, ja für ein unabweisbares Bedürfnis, daß er uns auch gerne sein Wissen und Können zur Verfügung stelle, aber die Führung in dieser Angelegenheit nicht übernehmen könne; soll ein wirklich brauchbares und wissenschaftliches Hilfsmittel geschaffen werden, so muß ein Gelehrter seine ganze Kraft und Zeit für das Unternehmen hergeben2). Nun wurde meinerseits bemerkt: es sei ein Talmudist aus dem Osten in Aussicht genommen, der die Redaktion unter unserer Aufsicht besorgen werde, und für den wir die Besoldung wohl aufbringen würden; .wir hoffen, daß sich doch etwa zehn *) Er hatte schon seit 1882 die Redaktion der Monatsschrift mitgeleitet. 2) Ich brauche wohl nicht besonders hervorzuheben, daß der Wortlaut der Graetz’schen Äußerungen sich meinem Gedächtnis nicht eingeprägt hat, wohl aber, daß ich seine Anschauungen und Gedanken kurz, aber möglichst treu, wiederzugeben glaube.