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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 4 · p. Seite 335

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 4
Article
Heinrich Graetz
Date
1917-01-01
Page
Seite 335 (sequence 15)
Language
German
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Heinrich Graetz. 335 wolle die Leitung übernehmen, aber eine seiner Bedingungen sei, daß er Graetz als Mitarbeiter berufen dürFe. Freudig schlug Graetz ein1). Denn jetzt endlich war ihm die Stellung gewiesen, an der er seine glühende Hingabe für die Wissenschaft des Judentums mit segensreicher Amtstätigkeit harmonisch verbinden konnte. Sein neues Buch, das bald herauskam, lenkte die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn. In ungeahntem neuen Lichte zeigte sich hier die bisher nur von schemenhaften Schatten bevölkerte nebelhaft dunkle Zeit der Tannaim und Amoraim. . In scharfen Umrissen traten dem Leser jetzt lebensvolle Gestalten entgegen, in deren Adern frisches Leben und heißes Blut pulsierte, wahrhaft antike Charaktere, erfüllt von glühendem Patriotismus, unbeugsamer Willenskraft und unverwüstlicher Bekenntnisfreudigkeit. Trotz der vielfachen, nur teilweise wohlbegründeten Angriffe von rechts und links, die die neue Darstellung erfuhr, eroberte sich der Verfasser, jetzt von höherer Kanzel aus redend, i.m Fluge sein Publikum, bei dem er Gunst und Beifall in reichem Maße fand2). Im Frühjahr 1854 kam er zum Antritt seines neuen Amtes hierher nach Breslau und hat an der Seite Frankels mitgeholfen, die »Br eslauerTheologen- Schule« ins Dasein zu rufen, die von weittragender und noch heute fortdauernder Bedeutung für die Entwicklung des deutschen Judentums geworden ist. Mit Spannung erwartete man indessen die Fortsetzung seines großen Lebenswerkes. Zunächst rundete derForscher seine Auffassung ab und ergänzte und vervollständigtest, indem er die unmittelbar vorhergehende Epoche vom Tode JudaMakkabis bis zur Zerstörung des zweitenTempelsbeha11delte,dieZeit,inderJudaismusundHellenismus zum ersten Mal einander begegneten undmiteinänder rangen und neue Organisationen von unübersehbarer weltgeschichtlicher Bedeutung ins Leben riefen. In erstaunlich rascher Folge erschienen dann sieben weitere Bände in der überraschend kurzen Spanne eines 1) S. das Nähere in meiner Geschichte des jüd.-theöi. Seminars, S. 42 ff. Bloch, a. a. O. S. 66 ff. 2) Die Einzelheiten bei Bloch, a. a. O. S. 70 ff.

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