Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- R. Jehuda Mehler II.
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 2)
- Language
- German
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286 R Juda Mehl er II. 51s Gemeindekassier fungierte. Josef hinterließ einen Sohn Koppel, der als Arzt und Vorsteher in Bingen sich eines ehrenvollen Rufes erfreute1), und einen zweiten Sohn, den Namensträger seines Vaters, R. Juda Mehler II, dessen Leben und Wirken hier näher geschildert werden soll. R. Juda wurde am 7. Kislew (10. November) 1660 in Bingen geboren und zeigte schon in früher Jugend bedeutende geistige Anlagen, die, von streng religiöser Gesinnung unterstützt, der künftigen Größe in würdiger Weise vorarbeiteten. Nachdem er in seiner Heimatsstadt im Talmudischen genügend vorbereitet war, genoß er weiteren Unterricht bei Jakob Kohn Popers in Koblenz und bezog dann die Talmudschule des Jakob Reischer in Worms, um dort seine Talmudkenntnisse zu erweitern und zu vertiefen. Zu dem gleichen Zv/ecke suchte er alsdann die Talmudklause des Elia Gomperz in Kleve2) auf, wo er den Grund zu der tiefen Gelehrsamkeit legte, die ihn später zu dem Range einer der ersten Autoritäten auf halachischem Gebiete erhob. Wenn er die sechs Wochentage im Lehrhause verbracht hatte, führte ihn der herannahende heilige Sabbat in seine Wohnung und an die Seite seiner gottesfürchtigen Frau Fromet, der Tochter des frommen Vorstehers, Landparnes und Schtadlan Ephraim Gumprich aus Koblenz3). Im Jahre 1704 übernahm er als Nachfolger des im gleichen Jahre verstorbenen Alexander b. Jakob Hakohen das kur-kölnische Oberlandesrabbinat mit dem Sitze in Deutz. Westfalen und das ganze Rheinland unterstand seiner rabbinischen Leitung und nach allen Richtungen ergingen seine 1י Koppel promovierte 1695 in Padua (vgl. Archiv, für jüdische Familienforschung, Wien 1913, No. 2 u. 3, p. 17) und starb um 1720; er findet auch im Vorwort des von seinem Neffen Juspa Essen verfaßten נוהג כצאן יוסף ehrenvolle Erwähnung als Mäzen und Förderer dieses Buches, seine Tochter Hechle starb 1740 in Worms als zweite Frau des Lehrer Durlach von dort; Wormser Memorbuch, ed. Berliner, S. 40. 2) Eine in Kleve getroffene Entscheidung d. a. 1702 wird in נוהג כצאן יוסף s. 54 angeführt. 3) Vgl. Deutzer Memorbuch S. 38.