Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über einige englische Scholastiker des dreizehnten Jahrhunderts in ihren Beziehungen zur jüdischen Literatur
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 250 (sequence 4)
- Language
- German
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250 Über einige englische Scholastiker des dreizehnten Jahrhunderts jedoch diese Schriften wenig oder gar nicht in Betracht, da sich in ihnen irgendwelche Beeinflussung durch die jüdische Literatur nicht nachweisen läßt. Dagegen ist auch für uns von hohem Interesse eine im Namen Grossetestes überlieferte umfangreiche Schrift, die den Titel Summa Philosophiae führt und von L. Baur mit den Schriften Grossetestes zum ersten Mal veröffentlieht worden ist1)• Wie Baur mit durchschlagenden Argumenten nachgewiesen hat, kann diese Schrift, wenn sie sich auch in manchen Punkten mit den Gedankengängen Grossetestes berührt und ״als eines der signifikantesten und interessantesten Werke der Oxforder Schule des dreizehnten Jahrhunderts“ zu betrachten ist, nicht den Bischof von Lincoln znm Verfasser haben2). Die Abfassungszeit wird vielmehr mindestens hinter dem Jahre 1264* vielleicht auch hinter dem Jahre 1270 anzusetzen sein3). Von dieser Summa Philosophiae gilt, wie Baumgartner zutreffend bemerkt4), dasselbe, was Grabmann für die Metaphysik des Thomas von York allein in Anspruch nimmt. Diese ist nicht die einzige große Darstellung des Systems der Metaphysik aus der Aera der Hochscholastik, sondern sie teilt diesen Vorzug mit unserer aus ungefähr gleicher Zeit und aus den gleichen Oxforder Kreisen stammenden Summa Philosophiae. Die metaphysische Literatur des 13. Jahrhunderts, sagt Grabmann 5), tritt uns sonst teils in Aristoteleskommentaren, teils in Opuscula oder monographischen Specialuntersuchungen, teils in Artikeln der Quodlibeta und Quaestiones disputatae entgegen. Zu einem guten Teil sind Probleme der allgemeinen Metaphysik in die theologischen Summen hineingearbeitet. In der Summa Philosophie und in der Metaphysik des Thomas von York besitzen wir dagegen zwei Werke aus der Zeit der Hochscholastik, in denen die Philosophie außerhalb des Rahmens der Theologie in systematischer Weise 1ו Baur, Die philosophischenWerke etc. pag. 275—643. 2) Baur das. S. 133* fg., Baumgartner, S. 42g. s) Baur, S. 137*. 4) Baumgartner S. 454. 5) Die Metaphysik des Thomas von York in der Festgabe, zum 60. Geburtstag Clemens Baeumker gewidmet. Münster I, W. 1913, S. 191