Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau (1742 - 1745), und seine Zeit
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 7)
- Language
- German
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172 Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakan. Salomo starb im Jahre 1596 und hinterließ vier Söhne und eine Tochter. Von seinem Sohne Moses (starb 1622) stammt die Krakauer Linie der Kalahoras, die sich nachher Kol ha ry nannte und im Jahre 1834 mit Isak Aron Kolhary erlosch. Es blieb die weibliche Linie, die den Namen Löbenheim trägt. Von Salomos Sohn, Israel Samuel; Verfasser des ישמח ישראל, stammt die Posener Linie, die bis heute in den Calvari und Landsbergs lebt. Aus der Posener Linie stammte der bekannte Märtyrer: Arje Loeb ha-Darschan, der im Jahre 1736 zusammen mit dem Syndikus der Posener Gemeinde, Jakob, Sohn des Pinchas, den Folterqualen erlag (Siehe: Balaban: Zur Geschichte der Juden in Polen. Wien, 1915, S. 58—61). Ausführlich werde ich über diesen Prozeß in dieser Mönatschrift berichten und die Literatur und die Belege dazu beibringen. Die Krakauer Linie der Kalahoras hatte auch ihren Märtyrer, nämlich einen Enkel Moses und Urenkel Salomos: Mattitjahu b. David. Vater und Sohn waren Apotheker. Die Einzelheiten des Prozesses habe ich in meinem oberwähnten Aufsatz in der »Heimkehr« gebracht, hier will ich nur eine zeitgenössische Notiz aus dem Theatrum Europäern (abgedruckt bei Schudt Jüdische Merkwürdigkeiten Bd. II, S. 300) wiedergeben, da dort der Name des Märtyrers nicht angegeben wird. »Anno 1663. unterfing sich zu Krakau in Polen ein Jud mit einem Dominikanermönch zu disputieren, goß aber dabei gar erschrickliche Worte wider die Gottheit Christi aus, ja warf solche Lästerworte auch hernach schriftlich ins Kloster hinein, deswegen wurde er eingezogen und zu Tode verdammt. Da er aber an das Tribunal appeliert, wurde er sofort sammt den Ältesten der Juden vor selbiges gestellt Die Studenten aber aus Eifer fielen unterdessen die anderen Juden an, machten etliche derselben nieder und verwundeten viele. Des Nachts stürmten sie die Judenstadt, plünderten bei 120 Häuser aus. Dazu mußten ihnen die Juden, um Frieden zu haben, 4000 Fl. geben und angeloben, daß sie für die Anheber des Tumultes bei dem Rektor bitten wollten, daß sie ungestraft blieben. (Teatrum Europäum, Tom IX, Fol. 995 b).