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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 2 · p. 150

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 2
Article
Das Wort Pharisäer bei Spinoza
Date
1917-01-01
Page
150 (sequence 1)
Language
German
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Das Wort Pharisäer bei Spinoza. Unter den Philosophen aller Zeilen ist keiner so heiß und so andauernd von Liebe und Haß umstritten, wie Spinoza. Dabei gilt die Liebe und der Haß nicht nur seiner Philosophie sondern auch seiner Person. Seit dem Bekanntwerden seiner Lehren schwankt sein Charakterbild im Urteile der Mit- und Nachweit zwischen Verlästerung und Verhimmelung. Die Lobredner, die seine Lehre für untrüglich halten, möchten in ihm durchaus auch einen fleckenlosen Übermenschen erblicken, die Tadler, denen seine Philosophie ein verhängnisvoller Irrtum scheint, ein Fels des Anstoßes für die wahrheitsuchende Menschheit, wollen ihn gar zu einem Heuchler und Fälscher stempeln. Während die Gemeinde der Spinoza-Schwärmer nachgerade bis zu seiner Heiligsprechung sich verstieg, haben von jeher jüdische und christliche Strenggläubige über ihn als einen Ketzer schonungslos den Stab gebrochen, und nicht weniger streng, wenn auch weit milder in der Form lautet noch jetzt das Verdammungsurteil, das seine theologischen und philosophischen Gegner bis in die neueste Zeit über ihn fällen. So geht Cohen1) mit Spinoza gründlich und streng ins Gericht und kommt zu dem Schluß, ihn nicht allein der Zweideutigkeit und Sophistik zu zeihen, sondern auch als Verräter am Judentum zu brandmarken, als den Mann, dessen böser Dämon die vergiftete Atmosphäre geschaffen hat, in der der neuere Judenhaß gedeiht2). »Spinoza bildet für die neuere Geschichte des Judentums das schwerste Hemmnis und daher ein großes Mißgeschick. Denn er ist . . . mit seinem Traktat die authentische Quelle des biblischen und rabbinischen 1) Cohen, Spinoza über Staat und Religion, ins. Jahrbuch f. jüd. Gesch. u. Lit. 1915, S. 56 ff. 2) Ebendas. S. 127.

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