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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 2 · p. Seite 113

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 2
Article
Der Briefwechsel zwischen Isak Noa Mannheimer und Leopold Zunz
Date
1917-01-01
Page
Seite 113 (sequence 25)
Language
German
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Der Briefwechsel zwischen Isak Noä Mannheimer u. Leopold Zunz. US schaft habe ich noch nicht, und an Umgang fehlt es mir bis jetzt ganz; er besteht nur noch in einigen Vormittags-Besuchen und einigen Mittags*Gesellschaften, wo der Ton sehr steif und unbefriedigend ist, und wozu ich nicht herzlos genug bin, davon angesprochen zu werden. Dies würde mich aber wenig genieren, da es nie zu meinen Wünschen gehört hat, in der großen Welt zu leben, was ich aber wohl sehr entbehren werde, das ist der Umgang mit einigen vertrauten Freunden, überhaupt mit meines Gleichen, dazu ist hier wenig Hoffnung. Was die Stadt betrifit, so steht sie in Hinsicht der Schönheit weit, weit unter Berlin. Die umliegenden Gegenden sind sehr schön, sie biethen schon von der Stadt aus schöne Aussichten dar, damit muß man sich größtentheils begnügen, da sie ziemlich entfernt liegen, uhd der Genuß derselben mit Schwierigkeiten und Geld verbunden ist, die allernächsten Umgebungen der Stadt sind nicht vorzüglieh, da man größtentheils durch annuiante lange Vorstädte wandern muß, ehe man ins freie kommt. Sogar der Berliner Staub ist hier zu Hause. Was mich mit Wien auch sehr unversöhnlich macht, das ist, daß hier alles so enorm theuer ist, Wohnung, Feurung, Dienstmädchen, Lebensmittel und Kleidungsstücke, alles kostet ein und zweimal so viel als in Hamburg. Aber nun auch genug von Wien, ich bin es schon mehr als satt. Und Du hast auch genug darüber gehört. Nun, liebe Adelheid, wie geht os Dir? hoffentlich bist Du wohl und vergnügt. Ich gedenke noch mit Freude Deines Umganges, den ich in Berlin genossen habe; wäre er nur für immer gewesen oder doch wenigstens auf längere Zeit. Schreibe mir doch etwas über Hänchens1 2) Aufenthalt in Berlin. Ich habe ihr noch nicht geschrieben. Dieselbe Ursache hält mich zurück ihr zu schreiben, die mein Stillschweigen gegen Dich veranlaßte. Ich verspreche es Dir aber in der Zukunft, öfterer zu schreiben, und mich nicht von der Eitelkeit hinreißen zu lassen, auf frohe Nachrichten zu warten. Du, liebe Adelheid, würdest mir nächstens einen recht ausführ• liehen Brief schicken können durch den Dr Möring3), der wohl x) Frau Dr. Kley vgl. oben S. 106, Anm. 1. 2) Über Dr. Möring und Dr. Beifus hat sich Näheres nicht ermitteln lassen.

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