Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Briefwechsel zwischen Isak Noa Mannheimer und Leopold Zunz
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Briefwechsel zwischen Isak Noa Mannheimer u. Leopold Zunz. 107 — Sie haben Ihnen nur mitzutheilen, was ich oben vom Briefschreiben sagte; es ist mir ohnehin bei meinen ausgebreiteten Bekanntschaften und beschränkten Mitteln schon etwas schwer, einen gewissenhaften Briefwechsel zu unterhalten, aber gewiß ich bin deshalb eben so treu und unveränderlich in meinen freundschaftlichen Gesinnungen mit denen ich jedem Guten und Wohlgesinnten ergeben bin — Mannheimer. Meine liebe Frau zeigt mir dieses Blättchen zum Schreiben an; — soll ich etwa auch mit Entschuldigungen eines langen Stillschweigens anfangen —, gewiß nicht, statt dessen will ich Sie beide versichern, daß ich Sie gewiß in meinem Andenken treu bewahrt habe und oft genug an Sie gedacht habe; zum Briefschreiben aber muß ich immer irgend eine Veranlassung haben, — irgend eine interessante Mitteilung, irgend eine Nachricht, — in meinem thatenlosen, langweiligen Lebenslaufe — wie er zeither war — will nichts dergleichen sich mehr darbieten. Indessen habe ich mich doch häufig mit Theilnahtne bei Anderen nach Ihnen erkundigt, und mit Freude vernommen, daß es Ihnen, Gottlob, recht wohl geht, wie ich Sie kenne, bin ich ohnehin überzeugt, daß es dem Schicksal leicht wird, Ihnen Ihre Lebensweise zu sichern, Sie sind ja beide zufrieden, so ganz ohne Ansprüche, und haben beide in sich selbst den Stoff zur Freude und zur Fröhlichkeit, die Ihnen Gott erhalten möge. In meiner äußern Lage hat sich bisher noch Nichts geändert, als das, daß ich jetzt, gottlob, mit meiner Lisette vereinigt lebe. Im Übrigen hoffte ich täglich aus der Lethargie erweckt zu werden, um zu einem besseren thatigen Leben mich bestimmen zu können, mit anderen Worten, ich hoffte täglich auf eine Anstellung, die ich bisher noch.*) jedoch, den Freunden will ichs nicht verhehlen, — ich darf glauben, daß meine Erlosung bald bevorstehend ist, denn die Aussichten fangen zeither an, sich ein Bischen aufzukiären — aber — (2קצר המצע מהשתרע also genug. Behalten Sie mich in Ihrem Andenken und bleiben Sie mir gut, — wie ich immer verbleibe. Ihr ergebener Mannheimer. ג) Hier fehlt ein Wort. 2) Jes. 28, 20. 3־*