Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau (1742-1745), und seine Zeit
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 465 (sequence 13)
- Language
- German
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Joseph Jonas Theonmim-Fränkel, Rabbiner in Krakau. 465 nun kam die Sache vor das bischöfliche Gericht in Krakau1). Daß die Vorgänge dem Krakauer Rabbiner und seinen Brüdern sehr peinlich waren, ist leicht zu begreifen, zumal der Rabbiner ohnehin viele Gegner in der Stadt und in der Landsmannschaft hatte. Die Mittel aber, zu denen er griff, um sich gegen den getauften Bruder zu verteidigen, sind für jene Zeit geradezu typisch. David Schmelka suchte durch Vermittlung zweier getaufter Juden, der Adeligen Anton Niegowicki und Matias Sebastyano wicz den Bruder bei der ihn protegierenden Herrschaft, den Herren von Wielowiejski de Bieberstein, zu verleumden. Einer der Herren, Stephan von Bieberstein, entbot daraufhin den Szydlowski zu sich, prügelte ihn tüchtig durch und versetzte ihm einige Wunden2). Alle di ese Vorgänge in der nächsten Umgebung des Rabbiners riefen in Krakau eine ungeheure Aufregung hervor. Die Juden schämten sich dessen, daß in der christlichen Gesellschaft solche Dinge über ihren Rabbiner erzählt wurden, und begannen laut gegen ihren Seelenhirten zu protestieren. Besonders ließen sich die Vorsteher der Gemeinde: Samson Lases-, Berl Rakower und Seinwel Deiches laut vernehmen, daß solche Dinge bei einem Rabbiner nicht geduldet werden dürften. David Schmelka wollte aber um jeden Preis sein Amt behalten und verband sich darum mit dem vierten Vorsteher Selig Zodek und dessen Anhang: jechiel Michaeli aus Krakau, Juda Lemberger, Dr. medicinae Aron Kalahora, Selig Nachum Zodek und anderen3). Wie bekannt,. wurden in jener Zeit die alljährlich gewählten Vorsteher durch den Wojewoden In ihrem Amte bestätigt und durch den Judenrichter in das Amt eingeführt. Der Wojewode, der Judenrichter und der christliche Judenschreiber, lauter Adelige, bezogen ihren Gehalt aus der Judenkassa und standen als spezielle Judenbeamte (besonders die beiden letzteren) ב) a. a. O., S. 3088. 2) Rel castr 165 B (697), S. 2670. 3) Kommissionsakt vom 20. Januar 1742, unterschrieben vom Judenrichfer Gordon AIGK. Monatsschrift, 60. Jahrgang. 30