Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau (1742-1745), und seine Zeit
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 455 (sequence 3)
- Language
- German
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Joseph Jonas Theomim-Fränkel, Rabbiner in Krakau. 455 delegierte der WojewodeJ an u s z W i s n i o w i e c k i eine Kommission, »die den Streit schlichten und die Skandale unterdrücken soll«1). Wir kennen das Ende dieses Streites nicht, weil die Akta keinen Aufschluß darüber geben. Eines aber ist sicher, daß Mendel Kantorowicz seine Gewalt ungeschmälert weiter behielt und jede Opposition zu unterdrücken wußte. Mühe hatte er genug damit, noch mehr aber mit der Befriedigung der Kahalsgläubiger, Denn diese werden immer ungeduldiger, besonders als nach dem Bankrott des Forbes das Gleichgewicht in den Kahalsfinanzen unhaltbar war. Mendel zwang nun die reichen krakauer Juden wieder die Kahalswechsel zu unterschreiben, zahlte die fälligen Zinsen an die Klöster und Kirchen, konnte aber auch damit der steigenden Not nicht abhelfen. Mit der Zerrüttung der Kahals- Finanzen wuchs die Opposition gegen ihn, und diese fand bei dem Judenrichter Michael Szaszkowski Unterstützung. Dieser brachte von seinen Gütern bei Zmigrod einen Juden mit und suchte, ihn in den Kahal hineinzubringen2). Eben darum weigerte er sich den neugewählten, aus Kantorowicz und seinen Anhängern bestehenden, Vorstand einzuführen und leitete gegen Kantorowicz eine Exekution ein, weil dieser dem Wojewoden und ihm selbst das Gehalt pro 1710 nicht ausgezahlt hatte. Mendel Kantorowicz bat den Wojewoden um Hilfe, und dieser befahl in einem Schreiben (d. d. Warschau, 9. April 1710), »die Juden in Ruhe zu lassen, nachdem sie sich verpflichtet hatten, das Wojewodengehalt in Höhe von 6000 Tymf nachträglich auszuzahlen, den neugewählten Kahal einzuführen, den Zmigroder Juden außer acht zu lassen und »besonders die Person des Mendel Kantorowicz nach wie vor zu respektieren3).« Das war der Höhepunkt von Mendels öffentlicher Wirksamkeit. Jetzt war er der unumschränkte Herr über alle krakauer Juden und repräsentierte die Gemeinde nach außen. ג) Rel. castr. 133, S. 454. 2) Teutonicalia Bd. 77, S. 880. 3) a. a. O.