Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 393 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen. 393 11. März 1812 über. Hierauf wird das Edikt selbst und seine Wirkung kurz besprochen. Da das flott geschriebene Büchlein seinem Zwecke gemäß populären Charakter trägt, möchten wir nicht näher auf Einzelheiten eingehen. Ist die Schrift doch u. E. in ganz besonderem Maße geeignet, gerade unserer jüdischen Schuljugend zu zeigen, wie damals unsere Vorfahren trotz aller scheinbar unüberwindbaren Schwierigkeiten alle ihre Kräfte einsetzten, um zu ihrem Rechte zu gelangen, um endlich das zu werden, was wir heute vor dem Gesetze wenigstens sind: deutsche Bürger mit gleichen Rechten und Pflichten. Voll Dankbarkeit soll unsere Jugend auf Männer wie David Friedländer zurückblicken und freudigen Herzens sich geloben, gerade in dieser ernsten, großen Zeit sich der Männer würdig zu erweisen und ebenso tapfer wie sie für ihr Judentum und ihr Vaterland einzutreten. Sie soll sich die schönen Worte Riegers zu eigen machen: »Das Gelöbnis, das die Väter so treu gehalten: »Gleiche Rechte, also auch gleiche Pflichten«, erneuern heute die Enkel. Sie wollen nicht schlechter als die Väter sein: kerndeutsch und urechtjüdisch, das ist das Losungswort, das ist das Eidgelöbnis, mit dem sie in das II. Jahrhundert ihrer Gleichberechtigung eintreten. Sie glühen von heiliger Liebe für ihr preußisches Vaterland und für ihre jüdische Wahrheit. Sie stehen auf treuer Wacht — es gilt ja ihr Heiligstes: Vaterland, Überzeugung und EhreU — Gerade jetzt wünschen wir dem Büchlein weiteste Verbreitung. Fast überflüssig erscheint es, diesen Wunsch auszusprechen bei der zweiten angezeigten Schrift. Enthält sie doch die Reden von Männern, die in der Zeit der geistigen Befreiungskämpfe der deutschen Juden laut ihre Stimme erhoben und mit ihrer ganzen gewaltigen Persönlichkeit den Kampf aufnahmen gegen die judenfeindlichen Angriffe. Zunächst wird uns die Rede dargeboten, die Lord Macaulay, der hervorragende englische Geschichtsschreiber, im Januar 1831 über »die bürgerliche Unfähigkeit der Juden« gehalten hat; es folgt Gabriel Rieß er mit seiner berühmten »Verteidigung der bürgerlichen Gleich- Stellung der Juden gegen die Einwürfe des Herrn Dr. H. E. G. Paulus. Den gesetzgebenden Versammlungen Deutschlands gewidmet 1831.« Anschließend daran lesen wir die Rede, die der angesehene Schweizer JRatsherr Suter bei den Verhandlungen des großen Rates und Senates in den Jahren 1798 und 1799 über die Juden im jetzigen Kanton. Aargau gehalten hat. D?n Schluß bildet die Rede des aus altem westfälischem Adel stammenden Freiherrn Georg von Vincke in der 39. Sitzung des