Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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238 Besprechungen und kurze Mitteilungen. Ergebnis kommt, die Mischnas des R. Chija und R. Hoschaja haben erst in Babylonien den Namen Tosefta erhallen ($. VIII). Auch folgende Sätze aus der Einleitung verdienen hier hervorgehoben zu werden, weil in ihnen die Lern- und Forschungsart des Verfassers klar angegeben wird: »Aus den einander widersprechenden literaturhistorischen Notizen1) kann man nicht zur Klarheit über den Entwicklungsgang der Halacha gelangen. Dieser muß von innen heraus erkannt werden. Man muß ein talmudisches Thema in der ganzen talmudischen Literatur verfolgen, in die Gedanken der verschiedenen Lehrer sich vertiefen, dann wird sich das Rätsel lösen, und so werden wir die Wand- Jungen der Halacha kennen lernen« (S. IX). Den größten Teil der Einleitung nimmt Zuckermandeis Ausein•־ andersetzung mit Schwarz ein. Letzterer hat in der Einleitung zu seiner Schrift «Die Tosifta des Traktates Nesikin, Baba Kamma«2) Zuckermandeis These einer scharfen Kritik unterzogen. Insbesondere kritisiert er dort die von Z. in seinem Werke »Tosefta, Mischna und Boraitha in ihrem Verhältnis zu einander», (Frankfurt a. M. 1909, Bd. II, p. 414 ff.) unternommene Vergleichung der Tosefta und Mischna von Kidduschin und Gittin. Schwarz führt dort zehn Fälle an und sucht zu beweisen, daß Z. in allen geirrt hat. »Jeder Leser«, schreibt Z., »muß dann schließen, wenn 10 Schlüsse, die ich mache, falsch sind, so muß es mit dem ganzen Buche dieselbe Bewandtnis haben. Wir werden zeigen, daß die abgeschossenen Pfeile auf den Schützen selbst zurückfallen. Auch nicht ein einziger Einwand ist stichhaltig« (S. XVII). Um wenigstens ein Beispiel herauszugreifen, so wird in dem ersten der dort angeführten 10 Fälle die Mischna Kidduschin II, 1 durch die von Zuckermandel auf Grund der Tosefta gemachte Emendation wohl klar, nicht aber durch Schwarzens Vorschlag, am Ende der Mischna באחת zu lesen. Andererseits spricht Jeruschalmi zur Stelle, wo der betreffende Passus dreimal so zitiert wird, wie er in der Mischna lautet, doch gegen Z. In dem ersten Hauptabschnitte behandelt der Verfasser die Frage, welchen Einfluß der Zweck und die Absicht in den Bestimmungen ג) z. B. סתם תוספתא ר' נחמיה oder סתם תוספתא ח חייא u. a. 2) Das Verhältnis der Tosifta zur Mischna von Rektor Prof. Dr. Ad. Schwarz, 19. Jahresbericht der israel.-theoiog. Lehranstalt in Wien, 1912.