Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Magen David oder Davidsschild
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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138 Der »Magen David« oder Davidschild. Fieber ein Pergament- oder Zinnblättchen zu empfehlen, auf dem die Namen der »heiligen drei Könige«: Balthasar, Melchior und Caspar verzeichnet seien, welches an den Kopf, an die Thefillinstelle gelegt werden solle usw.« Diese Bemerkungen behalten ihre Richtigkeit und sind besonders für die vorliegende Untersuchung instruktiv, trotzdem das erwähnte Schlummerlied, wie auch Geiger am Schlüsse seines Artikels bemerkt, nachträglich von berufenen Forschern als Fälschung erkannt worden ist. Ich selbst habe im 24. Jhrgg. dieser Monatsschrift, S. 269 einen hebräischen Gebärmuttersegen, d. h. einen Segen gegen Leibschmerzen aus dem handschriftlichen ספר האסופות veröffentlicht, worin, wie Alois Müller, Zeitschr. f. Deutsches Altertum, neue Folge, Vll, 473 gezeigt hat, die personifizierte Krankheit als filius terrae bei einem Manne, als filia terrae bei einem Weibe in hebräischen Charakteren angerufen wird. Nimmt man nun an, was nach den vorstehenden Ausführungen nur wahrscheinlich ist, daß auch die Drud — die Weglassung des Schlußbuchstabens e ist besonders in Süddeutsch-!and allgemein gebräuchlich — der Gegenstand hebräischer Beschwörungen gewesen ist, so hat man sich die Schreibung als דרור oder דרויד und die Benennung der Beschwörung מגן מפגי דרויד (Schutz gegen die Drud — für מפני kann auch נגד gebraucht worden sein —) zu denken. Mit der Zeit mag das Verständnis der Beschwörung verloren gegangen sein, und es war nichts leichter, als an Stelle der dem Verständnis entschwundenen דרויד den bekannten und gefeierten Namen דויד (David) zu setzen, womit auch das מפגי oder נגד seine Bedeutung verlor. So ist von dem obsoleten Schutzsegen gegen die Drud der מגן דויד, der Davidsschild, übrig geblieben, der dann, seiner Herkunft getreu, ebenfalls zu geheimnisvoller Bedeutung und Anwendung gelangte. Gegen diese Ableitung läßt sich schwer etwas Stichhaltiges einwenden. Ich bin überzeugt, daß man die ursprüngliche דרוד (Drud) noch in einer hebräischen Beschwörungsformel in ihrem Naturzustände auffinden wird. Es ist auch möglich, daß man aus dem Worte den vierbuchstabigen Gottesnamen gemacht hat,