Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 9)
- Language
- German
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90 Die Darstellung d. Jud. i. deutsch. Roman d. zwanzigst. Jahrhund. vom Berge Sinai brachte, zählte zu den ihren. Und war nicht Jesus selbst aus ihrer Mitte hervorgegangen? Nirgends werden die Schlachten des Geistes heißer und leidenschaftlicher geschlagen als im Schoße Israels —, jenes merkwürdigen Volkes, das in Superlativen denkt, spricht, fühlt und leidet.« Mit einer berückenden Vision Davids schließt das Buch. Er sieht Jerusalem mit goldenen Kuppeln, plätschernden Quellen und grünenden Gärten vor sich erstehen. Heitere, fröhliche, sorglose Menschen füllen die Straßen. Würde aber die Erlösung aus der sozialen Not genügen, um den Rassenhaß aus den törichten Herzen der Menschen zu reißen? Man sprach doch soviel — im Brusttone der Überzeugung — von der instinktiven Abneigung der Arier gegen die Semiten? Ein Sträußchen von Schneeglöckchen auf dem Grabe Jonathans, dorthin gelegt von einem Kinde, das vor wenig Wochen in kindlieber Unschuld die Vertreibung der Juden erbeten hatte, ist die bedeutsame Antwort des edlen Dichters, der uns ein zum mindesten für die Juden bedeutsames Buch geschenkt hat, dem Geiste wie der Form nach gleich vornehm, ohne die modernen Mätzchen, Stilkünsteleien und Obszönitäten. (Fortsetzung folgt.)