Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 82 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829866-2829869-2893329--41669-2893382- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts. Von Joseph Bass. (Fortsetzung.) Die Darstellung der Juden bei Friedrich Fürst Wrede. Eine ganz andere, würdige Haltung zeigen Die Goldschilds. Kulturgeschichtlicher Roman aus der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts von Friedrich Fürst Wrede. Berlin, E. Hofmann u. Co. 1901 299 S. Es sind nicht die Rotschilds gemeint, wie man fälschlich aus dem Titel schließen könnte; erzählt werden die Schicksale dreier jüdischer Vettern aus einem kleinen böhmischen Städtchen. Von vornehmer Abstammung wie die Gräfin Salburg, bemüht sich der Verfasser in durchaus vornehmer Weise, Juden und Judentum von den verschiedensten Seiten zu betrachten und ihnen gerecht zu werden. Auch die Juden des Romans sind Menschen von Fleisch und Blut, mit Vorzügen und Fehlern und nicht abstrahierte Wesen, wenn ich den einen Helden, den edlen Dr. David Goldschild, etwa ausnehme, der mir zu idealisiert erscheint. Dabei sind bis auf einige * Kleinigkeiten Sitten und Gebräuche richtig gesehen. Ich will wieder den Verfasser meist selbst sprechen lassen. David Goldschild, dessen nicht unschöne Gesichtszüge jene scharfe Ausbildung zeigen, die der semitischen Rasse eigentümlich ist und ihrer Jugend frühzeitig den Anschein geistiger Reife verleiht, studiert nach dem klaren und bestimmten letzten Willen seines Vaters Josef, eines armen Hausierers, Medizin. Dieser hatte bei seinem kargen Erwerbe einige hundert Gulden erspart und »jeder Heller des Geldes bedeutete eine Stunde des Hungers.« Als Student nimmt er lebhaften Anteil am Jahre 1848. Er ist sich klar bewußt, »daß es das siegreiche Prinzip des mosaischen Glaubens