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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 584

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 584 (sequence 23)
Language
German
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584 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman kommt das Unglaubliche: »Er wußte es, auch dem Vater, dem starken, klugen, tiefinnerlichen Mann, war der Gott, vor dem er sich in den Staub geworfen hatte, nicht ein Wesen über den Welten, sondern die Welt in ihrer Größe und Unendlichkeit selber, der Gott, von dem jeder ein Teil ist.« Ich zweifle, ob ein gewöhnlicher Jude so spinozistisch denkt. Wohl aber ist das Nächste ein wichtiges Wort: »Er wußte wohl, daß der Vater an dem Buchstaben des Gesetzes festhielt, weil er darin die Selbstzucht sah, die Israel nötig hatte, um sich in dem Gewühl der feindlich drängenden Völker nicht zu verlieren; und er wußte, daß dem Vater mit der Zeit vielleicht die Einsicht in die innere, komplizierte Gedankenwelt verloren gegangen war, daß der Vater sein Volk und das, was die Gläubigen Gott nennen, schließlich mit einander verwechselte.« Aber Jonathan, man merkt, daß er der eigentliche Held wird, sieht nur sein Volk und seine Verbannung seit zweitausend Jahren und sein leidvolles Leben inmitten der Feinde; mit seinen 17 Jahren fühlt er sich als den Träger aller Wunden, die jemals der Haß der Andern einem Juden geschlagen hat und er denkt . . . nur an das ferne heiße Land, in dem einst ein prunkender Tempel gestanden, in dem Israel Mauern und Zinnen, bewaffnete Krieger, einen König gehabt . . . ja wieder ein Volk sein, eine Einheit, kriegstüchtig, schön und frei. Das Gebet geht weiter; aber etwas wie ein Gefühl nahender Befreiung ist gekommen ... nun geht ja der schwere Tag seinem Ende entgegen. Man kann wieder an anderes denken und langsam wagen sich Fragen des täglichen Lebens aus dem Versteck hervor. Elias ist am Abend dieses Tages, dessen ausführliche Beschreibung nach der Ökonomie des Buches kaum Berechtigung hat, Gast im Hause Abarbanells. Kaum nach Hause zurückgekehrt, eilt er, da das verabredete Zeichen erscheint, in das Haus Evas, ein etwas merkwürdiger Abschluß des strengen Tages. Als Ergebnis dieser Zusammenkunft erklärt Eva ihrem Oheim,

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