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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 555

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
Date
1914-01-01
Page
Seite 555 (sequence 14)
Language
German
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Das Königlich Westphäiische Konsistorium der Israeliten. 555 jedes andere Kollegium welches seine Berichte von besoldeten Dienern fordert, deren Unfolgsamkeit den Verlust ihrer Stelle fürchten läßt.« Es klagt dem Minister, daß »verschiedene Individuen ganz unfolgsam gegen die Befehle des C. sind, und letzterem bis jetzt keine andere Mittel zu Gebote standen, sie dazu zu zwingen, als durch weitläufige Inquisitionen, welche vielleicht 6 Monate und Jahre dauern.« Es folgt eine ausführliche Darstellung der Schwierigkeiten, mit denen es zu kämpfen hat. »Der dermalige Zustand der Israeliten, als sie noch eine nur geduldete Nation ausmachten und der Staat ihre Duldung als eine Revenue betrachtete, war in kirchlicher Hinsicht so beschaffen, daß darin eine Revolution nicht ausbleiben konnte. Der Staat bekümmerte sich weder um ihre Schulanstalten noch überhaupt um ihre Bildung, sondern der reichste unter ihnen, der am meisten kontribuirte, stand an ihrer Spitze; der Zufall entschied, ob die Einrichtung gut oder schlecht war, denn auf einem Prinzip beruheten alle diese Einrichtungen nicht. War jener Reiche bigott, unwissend, so wurden Schullehrer seinem Charakter gemäß gewählt und angestellt, und die daraus entstandenen Früchte entsprachen der Pflanze. Ein anderer, der leichtsinnig war und die Religion abzuschütteln dachte, wählte Lehrer nach seinen Wünschen, und da weder Vorschriften zu einer Lehrmethode noch Bücher allgemein anerkannt wurden, wonach jeder Israelit seine wahre Religion bestimmt wissen konnte, so war es ganz natürlich, daß in jedem Ort anderer Unterricht ertheilt und andere Prinzipien gelehrt wurden. Von einem wissenschaftlichen Unterrichte wußte man vor 30 Jahren unter den Juden gar nichts, Deutsch Schreiben und Rechnen nach Regeln, wer das verstand, wurde schon ausgezeichnet. Wozu sollte auch der Jude bei Erziehung seiner Kinder höheren Bedacht nehmen? Seine Bestimmung konnte nur die eines Handelsmanns seyn. Was brauchte dieser mehr zu verstehn als Schreiben und Rechnen? Der Kleinhändler bedurfte auch dies nicht einmal. Bei seiner eignen Religionspartei konnte er nur imponieren, wenn er de□ Talmud studierte, und die strengste Ausübung der äußerlichen Ceremonien beobachtete. Begriffe über Bildung oder Roheit waren so fremd unter den Israeliten, als unter den Bauern der Unterschied zwischen der Kanfschen und Fichte’schen Philosophie. Ausnahmen machte nur der reiche Stand, der Umgang! mit gebildeten Klassen anderer Religionen hatte, und der Stand des Arztes, denn letzterer trieb ein Gewerbe, welches den Juden erlaubt war. Bei dieser Ausnahme fand sich aber auch nicht selten, daß der Jude sich von seinen Glaubeasbrüdern trennte, so wie sie es nicht minder in Ansehung seiner thaten ... So wie es sich in Ansehung der Schullehrer verhielt, so verhielt es sich nicht

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