Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die jüdischen Realschulen Deutschlands
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 531 (sequence 19)
- Language
- German
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Die jüdischen Realschulen Deutschlands. 531 kosten der Schule belaufen sich z. Z. auf ca. 36.000 M, wovon ungefähr die Hälfte durch ordentliche und außerordentliche Beiträge von meist Fürther, neuestens auch Nürnberger und Frankfurter Mitgliedern gedeckt wird. Das an die Schule gebundene Stiftungsvermögen von 65.000 M. erscheint gegenüber den bisherigen, reichdotierten Anstalten als ziemlich unbedeutend, umsomehr als die Fürther Realschule bis zur neuesten Zeit auch eines Pensionsfondes für die Lehrer entbehrte1). Diesen unsicheren Umständen möchte ich es zuschreiben, daß die Schule während der 50 Jahre ihres Bestandes verhältnismäßig viel Lehrer — rund 100 ■— verbrauchte, unter ihnen auch viele Nicht- Juden. Für manche Fächer waren oft jüdische Bewerber nicht vorhanden — wie der Direktor mir mitteilt, —־ bei der Anstellung jüdischer Lehrer wird darauf gesehen, daß das religiöse Leben und die Anschauung der Herren mit der Richtung der Schule nicht in Widerspruch stehe. Diese Richtung wurde schon von Dr. Selig Auerbach ausdrücklich mit den Worten S. R. Hirsch’ festgelegt, auch den zweiten Leiter holte sich die Schule direkt von dessen Mitarbeitern, während der jetzige Direktor, Dr. A. Feilchenfeld, seine Ausbildung teils in Frankfurt, teils in Hamburg erhalten hat Der anfangs reichlicher erteilte hebräische Unterricht (7—13 Stunden pro Klasse) nahm im Laufe der von der Aufsichtsbehörde mehrfach geforderten Lehrplanrevisionen notgedrungen einen immer bescheidene» ren Umfang an. Heute muß er sich in den Realklassen mit je 4 Wochenstunden begnügen, trotzdem die Religionslehre eben in Bayern einen wichtigen Gegenstand der Abgangs- Prüfung bildet2), und hier auch durch die Tradition öffent- 0 Die Pe&sionen der Lehrer wurden vom Kuratorium nichtsdesto weniger ans den laufenden Mitteln gedeckt. *) Charakteristisch sind denn auch die äußerst verschiedenartigen Themata zur schriftlichen Prüfung, die interessaiiterweise vom Rabbinate der israelitischen Kultusgemeinde Fürth vorgeschlagen werden, zu dem die Schule sonst in keinerlei Verhältnis steht. 34*