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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 5 · p. Seite 514

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 5
Article
Die jüdischen Realschulen Deutschlands
Date
1914-01-01
Page
Seite 514 (sequence 2)
Language
German
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514 Die jüdischen Realschulen Deutschlands. des XVIII. Jahrhunderts mehr als 1000 jüdische Familien mit ca. 7000 Seelen. In Sprache und Ritus von diesen verschieden lebten hier außerdem noch die schon früher eingewanderten Portugiesen, Spaniolen oder Sefardim, wie man sie nannte. Beide Fraktionen hatten schon früh dafür gesorgt, daß neben ihren Bethäusern auch Lernstuben entstehen und erhalten werden; ebenso waren die Gemeindemitglieder bestrebt, ihrer Jugend durch Privatlehrer den erwünschten religiös-hebräischen Unterricht erteilen zu lassen und bildeten zu diesem Zwecke verschiedene Kommissionen und Vereinigungen. Vorzüglich wurden diese Privatschulen natürlich von den Kindern der Armen besucht, ebenso wie die sogenannten Kirchen- oder Freischulen seitens der christlichen Schüler. Aber all diese lose organisierten Vereinsschöpfungen, wobei hier von den sephardischen abgesehen wird, begannen sich erst um die Wende des Jahrhunderts zu einer wirkliehen Schule zu kristallisieren. Mehrere einflußreiche Kaufleute, an ihrer Spitze der spätere h. c. Rabbinatsverweser der Altonaer Gemeinde in Hamburg, Menachem Mendel Frankfurter, aus dem Hause der Speyer, fühlten als die Ersten die Notwendigkeit, daß die jüdischen Knaben auch in die Kunst des Schreibens und Rechnens — vom deutschen Lesen ist noch kaum die Rede, — eingeführt werden. Nicht umsonst war Frankfurter mehrfach in Berlin gewesen und mit Mendelssohn bekannt geworden. Sein Geist wirkte hier in der Ferne, so wie sein Name in Frankfurters Hause stets mit größter Verehrung genannt wurde1). Das Auge des an Entbehrungen sicherlich gewohnten Talmudjuden blieb — ebenso wie das des Frankfurter Millionärs — an den Kindern der noch Ärmeren hangen, »um die sich niemand kümmert, weshalb sie auf der Straße herumstreichen, bar aller Klei- ג) Einer von Mendel Frankfurters Söhnen nahm zum Zeichen seiner Hochachtung sogar den Namen Mendelssohn an, was er seinerzeit natürlich mit demselben Rechte tun konnte, wie der große Sohn Mendels aus Dessau.

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