Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 504 (sequence 22)
- Language
- German
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504 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman usw. seinem Rücken: Das ist der reiche Jud; er hat gestohlen, betrogen und gewuchert, und so ist er Millionär geworden. Auch getauft werde er nicht als Christ betrachtet werden. Der Jude sei den Christen noch immer lieber als der getaufte Jude, dieser gelte als charakterlos, der seine Religion aufgegeben hat, wie er ein schlechtes Geschäft aufgab, Das habe ihm ja vor Jahren auch in seinem Heimatsorte bei einem Festmahle zu Ehren des Geburtstages der Kaiserin, zu dem er und nicht ein anderer reicher, aber getaufter Jude geladen worden sei, der Graf gesagt: »Ich bin gewiß nicht verliebt in die Juden, aber immer noch lieber sind mir zehn echte Juden als ein getaufter Jude. Wer seinen Gott verläßt, ob das jetzt der richtige ist oder nicht (?), der verläßt auch seinen König und seinen Vater und seine Mutter. So denken wir Alle bis hinauf zu seiner Majestät.« Auch habe er ja seinen Eltern versprochen, Kaddisch für sie zu sagen. Durch diese Berufung auf das heiligste Gefühl eines Juden wird der alte Hartenstein aufs tiefste erschüttert und besiegt. Er wirbt nun selbst um Mathilde. Aber auch sein heißester Wunsch soll nicht unerfüllt bleiben. Der Domherr, Dr. Gutmanns Bruder, verschafft ihm durch seinen Einfluß ais Beichtvater der Herzogin Adelgunde, gleichsam als Mitgift Mathildens die Baronie, ein übrigens ebenso überflüssiger als geschmackloser Abschluß. (Schluß folgt.)