Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 489 (sequence 7)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 489 dutzend »feiner Geschäfte« an der Hand, kurz er ist alles in allem ein äußerst brauchbarer, praktischer, »smarter« junger Mann, in vielen Sätteln gerecht, mit den Gesetzen und der Gerichtspraxis vertraut. Ihm hat angeblich Harrassowitz die Wechsel verkauft. Büttner kann nicht zahlen, unterschreibt einen neuen, kurzfristigen Wechsel zu 10 v. H. und 3 v. H. Provision, läßt sich noch allerhand aufschwatzen, was er nicht braucht und ist nun — 600 Mark schuldig. Kasche!, der mit den beiden Bauernlegen! unter einer Decke spielt, aber ein noch größerer Schuft ist, kündigt abermals seine Hypothek. Harrassowitz besucht den Bauer. Er ist einer gewissen Gutmütigkeit fähig, haßt die nicht, welche er schädigt; auch besitzt er Sinn für die Gemütlichkeit. Er vertilgt nicht gierig, denn das ist nicht klug, und man verdirbt sich den Genuß. Er nimmt sich Zeit und macht sich öfters das Vergnügen, um seinen Baum herumzugehen, mit den Früchten zu liebäugeln, ehe er sie schüttelt. Als der Gutsherr doch helfen will, weiß ihn Schmeiß durch Verleumdung des Bauern davon abzubringen. So wird die Versteigerung des Gutes notwendig und Harrassowitz der Erstehen Bei der Zerschlagung ergibt sich für ihn ein besonders großer Gewinn, er zeigt sich als ebenso tüchtiger »kulanter« Geschäftsmann, wie als tüchtiger Landwirt. Den alten Bauer, den er zunächst auf dem Hofe beläßt, hält er in einer Art Leibeigenschaft, bis dieser sich auf tragisch - erschütternde Weise selbst ums Leben bringt. Es ist also die nicht seltene Geschichte des Untergangs einer Bauernfamilie. Harrassowitz ist nur der Kiesel, der den tönernen Fuß des Riesen zerschlägt, und man kann leider nicht sagen, daß er ehrlich verfährt. Es gibt ja solche Leute unter den Juden, die sich an die ethischen Vorschriften ihrer Religion nicht halten, denen Gelderwerb vor alles geht. Der Dichter hat nicht gehässig übertrieben und man muß, will man gerecht sein, zugeben, daß als