Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 484 (sequence 2)
- Language
- German
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484 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Ungerecht allerdings, weil von Spinoza ausgesprochen, nachdem er sich von der Gemeinde getrennt, ist deren Charakterisierung, die dann als Allgemeinurteil gelten muß. Spinoza verkehrt nämlich mit drei niederländischen Brüdern, in deren Wesen kein Falsch ist. »Das tat Baruch wohl, der sich bei seinen Glaubensgenossen von so viel Geldgier, Kleinsinn, Unduldsamkeit und Heuchelei abgestoßen sah. Sie in ihrer dumpfen Synagoge, wo immer nur Schatten herrschte, niemals das freie Licht und die freie Luft eindrang, sie waren ihm jetzt ganz die Dunkeln, die Nachtgeborenen, die das Licht und die Luft scheuen mußten und sich darum so tief in ihre grauen Gespinste von Lug und Trug und Aberglauben einspannen. Er haßte sie, fühlte, daß er nur seiner Gesichtsfarbe, seinem Haare nach einer der ihren war, sonst verband ihn nichts mit ihnen«. Das ist ungerecht und einseitig, denn Geldgier, Kleinsinn, Unduldsamkeit und Heuchelei sind in dieser Zeit und in diesem Lande, wo die fanatischen Kämpfe zwischen Arminianern und Gomaristen, zwischen Wilhelm von Oranien und der republikanischen Partei herrschten, wo die Brüder de Witt so schmachvoll ermordet wurden, doch auch bei den sehr frommen Reformierten heimisch. Spinoza weiß es ja auch und er entgegnet seinem Gegner Dirk Kerckrinck, der gemeint hat: »Ihr Juden seid bloße Schacherer, die ihr das Geld zusammenwuchert und euch Pracht erkaufet, ohne daß euer Herz dabei eine innere Beglückung hat. Wenn ich Goldschätze hätte wie ein Fürst, ich könnte um ebensoviel glücklicher sein, als ich reicher wäre. Ich bin eben ein Deutscher (?), und Ihr seid ein Jude«. »Ach, Dirk, Ihr sagt so und glaubt es freilich, aber Ihr urteilt nur für eure eigene Person. Machet sonst keinen Unterschied zwischen den Menschen inbetreff des Geldes. Da sind Türken, Juden, Chinesen, Holländer, Deutsche, Franzosen und Engländer alle gleich. Es liegt in der menschlichen Natur so«. Bei einer Zusam-