Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 479 (sequence 26)
- Language
- German
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Das Königlich Westphäiische Konsistorium der Israeliten. 479 seit dem Edikt vom 11. März 1812 ein anderer Geist. Es hatte den Juden das Staatsbürgerrecht verliehen und hinsichtlich der religiösen Zustände und des Unterrichtes der jüdischen Kinder im Artikel 39 behördliche Bestimmungen in Aussicht gestellt. Die Regierung schien jetzt an diese Aufgabe mit Eifer herantreten zu wollen. So konnte Steinhardt des tatkräftigen Wohlwollens der Behörde und ihrer energischen Unterstützung bei seinem Reformwerk sicher sein. Am 30. August 1815 richtete er daher an die Vorsteher der Paderborner Gemeinde nachfolgendes Schreiben, das als ein wertvoller Beitrag zu seiner Charakteristik und zur Kennzeichnung der Paderborner Zustände hier unverkürzt folgen mag. Sehr verehrte Herren Vorsteher! Es ist schon verschiedentlich der Gegenstand unserer gemeinsamen Betrachtungen und Wünsche gewesen, die Mittel und Wege für eine verständige Wirksamkeit zum Besten unserer so überaus verfallenen Schulen aufzusuchen. Ew. Wohlgeboren haben in den wohlerwogenen Ansichten, in den edlen Endzwecken hochlöblicher Regierungskommission einer zwar nicht unerwarteten, aber ebenso folgenreichen als höchst erfreulichen Unterstützung begegnet, und ihre Ansuchen und Vorhaben haben die verehriiche (sic) Behörden nur überzeugen können, daß Sie mit völliger Bereitwilligkeit dem entgegen kommen, was längst allgemeiner und reiner Gesichtspunkt gesammter Verwaltung ist. Je begründeter die Hoffnung, je empfänglicher die Gemüther, um so freudiger und geehrter kann mich der Auftrag erwarten, daß, was mir aus ernstem Nachdenken und vielfältiger Er־ fahrung, mehr denn aus sicherer Handhabung theoretisch feststehender Grundsätze zugekommen in einem Plane, zu Ihrer Beistimmung und zur höheren Prüfung hochlöbl. Regierungskommission niederzulegen. Indem wir nun wahrhaft eine bessere Zukunft vorzubereiten unsere schwache Kraft verbinden, wird uns eine kurze Entwickelung der Gegenwart die beste An- und Einleitung gewähren. Hoffend jetzt, damals zagend, habe ich beim Antritte meines Amtes die Schulen des Sprengels in höchst trostlosem Stande gefanden, und dennoch sind die Ursachen eben obenauf, wie allgemein und nothwendig wegen der inneren Verfassung oder vielmehr Nicht- Verfassung des Erziehungswesens unserer Glaubensgenossen. Die verschiedenen zu einem Sprengel vereinten Gemeinden sind