Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 476 (sequence 23)
- Language
- German
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476 Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten. hier ein lohnendes Arbeitsfeld zu bieten. Die Gemeinde stand der auf ihren Antrag begründeten Schule freundlich gegenüber. Aber schon im zweiten Jahre änderte sich das Bild, wie es scheint nicht ohne Schlesingers Schuld. Ein eigenwilliger, eingebildeter Mensch, wie er gewesen zu sein scheint, mit einer ausgeprägten Vorliebe für starke Aus-־ drücke, verstand er es nicht, sich mit den Gemeindegewaltigen auf einen guten Fuß zu stellen und verletzte ihr Selbstgefühl gerade in Dingen, in denen es am verwundbarsten war. Er hatte sich geweigert, eine in der Gemeinde bestehende Synagogenabgabe von 1 Gulden zu erlegen und sich gerichtlich zur Zahlung zwingen lassen. Dem Verlangen nach Erweiterung der Lehrziele im Hebräischen hatte er keine noch so bescheidenen Konzessionen machen wollen1). Das hohe Schulgeld*) machte den Paderbornern eine Schule, in der sie nichts zu sagen hatten, nicht lieber. Dazu kam die allgemeine Abneigung gegen den Zwang von oben8). Besser wußte der zweite Lehrer L. Görlitz mit der Gemeinde fertig zu werden4). Zwischen ihm und *) »So kam es daß, weil man dem Wesen des Konsistoriums abhold war, und es durch Schmähungen und Flüche in den Augen aller . herabsetzte, man die Zeit nicht erwarten konnte, die Schule aufzulösea, und mich, weil ich mich nicht nach ihrer Laune richten und Thalmud, Commentar über die Bibel und mehr dergleichen für das zarte Alter eines Knaben, der nützlichere mehr in das Leben des Menschen hienieden eingreifende Gegenstände zu lernen hat, unnütze Dinge unterrichten wollte, außer Thätigkeit zu setzen und die Schule, deren Summe durch das Herausnehmen der Kinder sich natürlich um ein Beträchtliches vermindert, jetzt der Kosten wegen auf einen anderen Fuß einrichten zu wollen«. Eingabe Schlesingers an den Zivilgouverneur vom 26. September 1814. s) Das Schulgeld war auf drei Jahre und 7 Taler jährlich für einen Knaben, sowie 6 Taler für ein Mädchen festgesetzt worden. Eingäbe Schlesingers vom 26. Juli 1814. 8) Vgl. oben S. 474, Anm. 2. 4) Görlitz bezog ein Gehalt von 60 Talern sowie freie Kost. Eingabe Schlesingers vom 26. Juli 1814. Vgl. auch oben S. 206, Anm. 1.